Politische Wirklichkeit und mediale Virtualität sind in der Wahrnehmung eines Bloggers schwer auseinderzuhalten, deshalb der Reihe nach:
1. Während Maria Höfl-Riesch hinter einer weiteren Medaille her durch die Slalomtore jagt, müssen wir TV-Wintersport-Teilzeit-Patrioten uns betreten fragen, ob selbst ein so erfrischend offen herzensfroh lachendes Mädchen wie Evi (auch schon 32 J.) der im 21. Jahrhundert noch einzig verbliebenen Sünde - des "Doping" -, genauer: des auf Medaillen zielenden, medikamental induzierten zusätzlichen Leistungsschubs nicht entsagen konnte oder auf Anraten ihres Trainers nicht verzichten sollte.
Ganz im Ernst: Wir mögen´s nicht glauben und bangen um die Bewahrung des strahlenden Lachens der gutbayerischen Evi. Außerdem sind wir froh, daß die Deutschen - in Sotschi noch ohne merklichen Migrationshintergrund - im Wettstreit um Medaillen ihre Spitzenposition inzwischen an die Norweger und/oder die USA verloren haben, sonst ginge in den Feuilletons gleich wieder unisono das Geheule über den deutschen medaillenberauschten Nationalismus los.
2. Respekt verdient die Ukrainerin, die als Reaktion auf das anhaltend blutige Spektakel auf dem Majdan in Kiew ihre weitere Teilnahme an den Wettkämpfen absagte. Daß die Ukrainer keinen Trauerflor anlegen durften, war vorhersehbar. Die politisch angereicherte olympische Festesfreude duldet keine Störung durch die politische Realität.
Welche Wirklichkeit und welche Dramaturgie hinter den Kulissen, hinter der mit immer mehr Blut, mit Feuer und Zerstörung illuminierten Bühne auf dem Kiewer Majdan zu suchen sei, bedürfte einer umfassenden Analyse. Daß die "Massen", die Zigtausende seit Wochen Demonstrierenden, Grund zum Aufbegehren gegen ein von Korruption und Gewalt geprägtes Regime unter Janukowitsch - der saß zu Sowjetzeiten wegen einer Gewalttat ein, ehe er in der kommunistischen Partei Karriere machte - haben, steht außer Frage. Dennoch gilt es weitere Fragen zu stellen: Warum betrachtete die EU Janukowitsch bis zu dem Zeitpunkt als passablen Geschäftspartner, als er - sicher auch auf Druck aus Moskau - die Unterzeichnung des Assoziierungsvertrag verweigerte? Warum sieht man in den TV-Bildern derzeit nur noch blau-gelbe Fahnen und keine rot-schwarzen mehr? (Zur Erläuterung: Es handelt sich um die Farben der westukrainischen, galizischen Nationalisten, nicht um das Schwarz-Rot der Berlin-Kreuzberg-Friedrichshainer Freizeit-Antifa-Aktivisten, die bei jeder Gelegenheit [nunmehr auch mit Staaatsknete aus dem "Extremismus"-Topf] den Spanischen Bürgerkrieg nachspielen.)
Frieden, die Durchsetzung von Rechtsstaatlichkeit, materielle Besserung, Demokratie im guten Sinne all das ist den Ukrainern von Herzen zu wünschen. Ob es dafür derzeit noch irgendeine Chance gibt, steht dahin. Falls das Land in West (die Provinzen um Lemberg) und Ost (Donezk-Becken) zerfallen sollte, dürfte das blutige Spiel weitergehen. Eine "Lösung" - jenseits der EU-Sanktionen - haben wahrscheinlich weder Fabius, noch Steinmeier noch Sikorski, weder Catherine Ashton noch Barack Obama parat. Was Putin und Lawrow im Schilde führen, ist ungewiß. Was bei distanzierter Betrachtung deutlich wird, ist, daß auf dem Majdan zu Kiew, in Lemberg, in Odessa, im Donbas und auf der Krim letztlich ein geopolitisches Machtspiel ausgetragen wird. In diesem Spiel ist Putin nicht der einzige Provokateur, der mit seiner Vision eines (erneuerten) Eurasien die westliche Wertewelt herausfordert. Inwieweit die - teilweise selbst längst auch gewaltsam operierenden - "Massen" auf dem Majdan, die von Scharfschützen, den Medien zufolge im Solde von Janukowitsch, niedergehalten werden sollen, sich ihrer Rolle in diesem Spiel bewußt sind?
3. Zum Schluß: das vom Rumor und Soupcon gegen das "Volk" genährte Feuilleton führt seine Privatkriege, besser die üblichen linksliberalen Scheingefechte, für die sich niemand interessiert außer den in ihrer Eitelkeit rivalisierenden Helden des Kampfes mit Tinte und Feder (heute PC) selbst. Das FAZ-Feuilleton macht mit einer vollen Seite auf, auf der Redakteur Dietmar Dath die in der "Zeit" vorgetragenen Unterstellungen des Autors Maxim Biller, die liberale, in Wahrheit verkappt deutschnationale Literatenwelt schotte sich gegen Migrationsliteraten ab, in einem langen Elaborat zurückweist. Der aus Prag in den 1980er (?) Jahren immigrierte Biller suggeriert einen unverändert völkischen, "habituell christlich" (oder post-christlich) eingefärbten, von Suhrkamp genährten deutschen Nationalismus bei all jenen Enkeln "halb umerzogener Naziis" usw. usw. usw., in jenen Kreisen, die man ehedem zur Bildungswelt zählte und die heute den Literaturbetrieb unter sich ausmachen. Dahinter steckt bei Biller natürlich nichts anderes als der übliche marktgängige Antisemitismus-Verdacht. Immerhin konnte er diesen seinerzeit nicht mobilisieren, als er sich gerichtlich mit seiner türkischen Ex-Frau auseinanderzusetzen hatte, die ihn wegen seiner literarischen Vermarktung ehelicher Sexintimitäten juristisch belangte.
Gegen Billers Attacken führt der linksliberale Neo-Neo-Neo-Marxist Dath, genetischer Abkömmling eines von Wagners Weihespielen völkisch-geistlich erhobenen Großelternpaares, seine unangreifbare, ex-protestantische, kreuzbergisch-kosmopolitisch bestückte, mit Hip-Hop-Jargon angereicherte Bildungswelt ins Feld. Er verstehe sich und verständige sich - auch rein sprachlich - mit jedem "gebildeten" Migranten besser als beispielsweise mit seinem ignoranten Friseur. Mag sein: Der Glatzenträger Biller benötigt zur Selbstbestätigung seiner geistigen Überlegenheit keinen Friseur mehr. Dath hingegen wäre zur Bereicherung seines kosmopolitischen Vokabulars der Gang zu einem literarisch gebildeten MHG-Haarkünstler zu empfehlen.
Auf dem Majdan sterben jede Nacht , wohl auch bei Tag, zahlreiche Menschen. Das postdeutsche Feuilleton beschäftigt sich mit seinen Obsessionen. Mal noch kurz in die Glotze sehen, ob Höfl-Riesch weiterhin "auf Medaillenkurs" durch die Stangen jagt...
P.S.
In meinem Blog blieb das Kriegsgeschrei von BHL, dem französischen Philosophen der globalen militärischen Intervention (China ausgenommen), erhoben im heutigen FAZ-Feuilleton, unerwähnt. Falls das heute wider alle Erwartungen von den EU-Außenministern durchgesetzte Abkommen der Opposition mit Janukowitsch halten sollte und zum Ende des Bürgerkriegs, zu einem friedlichen Neubeginn in der Ukraine führen sollte, käme der Philosoph - anno 2011 konnte er Nicolas Sarkozy von der Notwendigkeit des Krieges gegen Gaddafi überreden - als Praeceptor Occidentis zu spät.
P.P.S.
Maria Riesch-Höfl wurde leider nur Vierte. Des weiteren die bedrückende Frage: Wer hat Evi Sachenbacher-Stehle zum Doping verführt? Wir haben inzwischen erfahren, daß es sich bei dem leistungssteigernden Zaubermittel nicht um ein per Spritze zu verabreichendes Medikament, sondern um einen angereicherten Energieriegel handelte. Evis Blutwerte stimmten angeblich schon vor vier Jahren nicht so richtig. Auf welche Werte dürfen wir Demokratinnen und Demokraten danach überhaupt noch bauen?
Freitag, 21. Februar 2014
Montag, 10. Februar 2014
Sehr deutlich auf dem Weg zur Demokratie
Uns schmerzt noch immer, dass unser Bundespräsident Joachim Gauck aus tiefster Überzeugung sowie aufgrund seines demokratischen Terminplans der Teilnahme an der Eröffnungsfeier der Winter Olympics in Sotschi entsagen musste. Während das weniger um demokratische Werte besorgte Volk beim Wettkampf der Nationen daheim patriotisch um Medaillen fiebert, geht der Bundespräsident seinen präsidialen Pflichten nach, knüpft für Deutschland Kontakte zu Burma - so die Überschrift in der heutigen FAZ (10.02.2014, S. 6). Laut wikipedia (Am. ed.) heißt der Name des Landes, in dem der Vater der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, Antiimperialist, zwischendurch Kommunist, stets Nationalist, einst im Bündnis mit den Japanern die britischen Kolonialisten vertreiben wollte, nach wie vor Myanmar (The Republic of the Union of).
Auf derlei Petitessen kommt es in der Berichterstattung über den Staatsbesuch unseres Bundespräsidenten nicht an. Angetan mit weißem Hemd und Wickelrock, die Hände gen Himmel erhoben, in Begleitung der Lebensgefährtin Daniela Schadt, bewunderte Gauck die Kulturmonumente des goldpagodenreichen Landes: "Ich bin noch nie hier in dieser Weltgegend gewesen, und mich beeindrucken die Zeugnisse des buddhistischen Glaubens schon sehr." Dies die Worte eines Mannes, der zu DDR-Zeiten als Friedenspastor vom Friedensstaat am Reisen gehindert, auf exotische Reiseeindrücke verzichten musste.
Nicht minder beeindruckt zeigte sich Gauck vom Fortschritt der Demokratie in dem Lande, das jüngeren Zeitgenossen wegen des Kampfes der schönen Tochter Aung Sans für die Menschenrechte, älteren durch den River Kwai March bekannt ist: "Dies ist ein Land, das sehr deutlich den Weg hin zur Demokratie beschritten hat und das nach einer sehr, sehr deutlichen Diktatur." Anmerkung: Falls die Leser des Blogs vor dem zweiten gleichgeordneten Satzteil ein Komma vermissen sollten, so geht dieser Fehler auf das Konto der FAZ.
Auf derlei Petitessen kommt es in der Berichterstattung über den Staatsbesuch unseres Bundespräsidenten nicht an. Angetan mit weißem Hemd und Wickelrock, die Hände gen Himmel erhoben, in Begleitung der Lebensgefährtin Daniela Schadt, bewunderte Gauck die Kulturmonumente des goldpagodenreichen Landes: "Ich bin noch nie hier in dieser Weltgegend gewesen, und mich beeindrucken die Zeugnisse des buddhistischen Glaubens schon sehr." Dies die Worte eines Mannes, der zu DDR-Zeiten als Friedenspastor vom Friedensstaat am Reisen gehindert, auf exotische Reiseeindrücke verzichten musste.
Nicht minder beeindruckt zeigte sich Gauck vom Fortschritt der Demokratie in dem Lande, das jüngeren Zeitgenossen wegen des Kampfes der schönen Tochter Aung Sans für die Menschenrechte, älteren durch den River Kwai March bekannt ist: "Dies ist ein Land, das sehr deutlich den Weg hin zur Demokratie beschritten hat und das nach einer sehr, sehr deutlichen Diktatur." Anmerkung: Falls die Leser des Blogs vor dem zweiten gleichgeordneten Satzteil ein Komma vermissen sollten, so geht dieser Fehler auf das Konto der FAZ.
Samstag, 8. Februar 2014
German Rainbow Warriors in Sochi (Sotschi)
In gespannter Erwartung betätigte der Blogger gestern abend (a.R.) die Fernbedienung seines TV-Geräts, um des global erhebenden Spektakels in Sotschi ansichtig zu werden. Er hoffte auf einen Eklat, etwa, daß beim fahnengesättigten Einmarsch Vertreter oder -innen der einen oder anderen bekannten Wintersportnation (beispielsweise der Bermudas, der Kaiman-Inseln oder der Dominikanischen Republik) eine Regenbogenfahne aus der Hose ziehen würden, um mit einem schwulen Bruderkuß die ganze Menschheit zu umarmen, kurz: man hoffte auf einen Akt der Zivilcourage.
Die Sache verlief leider ziemlich enttäuschend. Alle Nationen - von den Bermudas (völkerrechtlicher Status unklar, als Steueroase beliebt) bis Marokko, von Nepal bis Malta, von Brasilien bis Zypern - zogen jubelnd, lächelnd, winkend hinter ihrem/ihrer Fahnenträger und/oder -in her. Eine nicht endende Manifestation national(istisch)er Einfalt.
Für den demokratischen Kontrast sorgte allein unsere deutsche Truppe, wenngleich auch sie im Lockerschritt hinter der Nationalfahne her, geschwenkt von Maria Höfl-Riesch. Unsere Mannschaft, falsch: unsere Frauen, unsere Männer, falsch: unsere ungegenderte Jugend (?) kam bunt daher wie Pippi Langstrumpf im indizierten Kinderbuch. Menschlich anrührende, olympisch beglückende Worte dazu fand der Kommentator: Das deutsche Team sei in Regenbogenfarben gekleidet, die Ausstattung - wie stets von Bogner-Moden München - sei bereits konzipiert (und mutmaßlich in China oder in Indonesien konfektioniert. H.A.) worden, ehe sie durch die jüngste Auseinandersetzung über Putins Umgang mit den Minderheiten hohe politische Aktualität gewonnen habe. Der Blogger schaute nochmal genauer auf seine deutsche Truppe: hellblau, hellgrün, dazwischen gelbe Streifen, die Mützen andeutungsweise in burschenschaftlich-bundesdeutschen Farben, jedenfalls nichts, was an Noahs Regenbogen erinnerte. Der Ausstatter hatte offensichtlich die in der Bibel empfohlene schwul-lesbische Farbkombination verfehlt, was wiederum dem von politisch-pädagogischem Eifer erfüllten Reporter entgangen war.
Vielleicht erfüllt sich das farbliche Wunschbild beim Auszug unserer sieg- und medaillenreichen Biathletinnen, Curlerinnen, Bobfahrerinnen, Halfpiperinnen und Kunstläuferinnen. Oder es outet sich bis dahin noch ein Rennrodler - das deutsche Wintermärchen von Sotschi. Und am Ende besinnt sich Joachim Gauck doch noch anders und kommt zur Schlußfeier. Wenn das Regenbogenwunder eintreten sollte, könnte es unserem einstigen Friedenspastor aus Rostock gelingen, den homophoben Autokraten Putin mit sanften Worten zu den Grundwerten westlicher Demokratie zu bekehren.
Die Sache verlief leider ziemlich enttäuschend. Alle Nationen - von den Bermudas (völkerrechtlicher Status unklar, als Steueroase beliebt) bis Marokko, von Nepal bis Malta, von Brasilien bis Zypern - zogen jubelnd, lächelnd, winkend hinter ihrem/ihrer Fahnenträger und/oder -in her. Eine nicht endende Manifestation national(istisch)er Einfalt.
Für den demokratischen Kontrast sorgte allein unsere deutsche Truppe, wenngleich auch sie im Lockerschritt hinter der Nationalfahne her, geschwenkt von Maria Höfl-Riesch. Unsere Mannschaft, falsch: unsere Frauen, unsere Männer, falsch: unsere ungegenderte Jugend (?) kam bunt daher wie Pippi Langstrumpf im indizierten Kinderbuch. Menschlich anrührende, olympisch beglückende Worte dazu fand der Kommentator: Das deutsche Team sei in Regenbogenfarben gekleidet, die Ausstattung - wie stets von Bogner-Moden München - sei bereits konzipiert (und mutmaßlich in China oder in Indonesien konfektioniert. H.A.) worden, ehe sie durch die jüngste Auseinandersetzung über Putins Umgang mit den Minderheiten hohe politische Aktualität gewonnen habe. Der Blogger schaute nochmal genauer auf seine deutsche Truppe: hellblau, hellgrün, dazwischen gelbe Streifen, die Mützen andeutungsweise in burschenschaftlich-bundesdeutschen Farben, jedenfalls nichts, was an Noahs Regenbogen erinnerte. Der Ausstatter hatte offensichtlich die in der Bibel empfohlene schwul-lesbische Farbkombination verfehlt, was wiederum dem von politisch-pädagogischem Eifer erfüllten Reporter entgangen war.
Vielleicht erfüllt sich das farbliche Wunschbild beim Auszug unserer sieg- und medaillenreichen Biathletinnen, Curlerinnen, Bobfahrerinnen, Halfpiperinnen und Kunstläuferinnen. Oder es outet sich bis dahin noch ein Rennrodler - das deutsche Wintermärchen von Sotschi. Und am Ende besinnt sich Joachim Gauck doch noch anders und kommt zur Schlußfeier. Wenn das Regenbogenwunder eintreten sollte, könnte es unserem einstigen Friedenspastor aus Rostock gelingen, den homophoben Autokraten Putin mit sanften Worten zu den Grundwerten westlicher Demokratie zu bekehren.
Donnerstag, 6. Februar 2014
Così fan tutte: vom Umgang mit dem Fiskus und umgekehrt
Im Vergleich mit den Italienern, erst recht mit den Griechen, die schon wieder an die 20 Milliarden Euro Schuldennachlass erwarten dürfen, bis sie denn endlich - ad Kalendas Graecas - ihr Besteuerungssystem und ihre Steuermoral in Ordnung gebracht haben, konnten die Deutschen bislang auf ihre treudeutsche Ehrlichkeit in puncto Steuern stolz sein. Der deutsche Bürger, die deutsche Bürgerin, wusste um seine/ihre Pflicht, dem Staate und dem Gemeinwohl zu dienen. Steuerbetrug war der deutschen bürgerlichen Moral ein Fremdwort. (Unberührt von bürgerlichen Moralbedenken war stets allein die Parteienfinanzierung.)
Aber ach, mit derlei patriotischem Stolz ist es nun vorbei. Die vor einigen Jahren von Finanzminister Schäuble (CDU), in bestem Einvernehmen mit den steuer- und umverteilungshungrigen Sozialdemokraten, ersonnene fiskalische Doppeltechnik, "Steuersündern", die ihrer Sünde vornehmlich in der Schweiz huldigten, einerseits durch Selbstanzeige zur (partiellen) Absolution zu verhelfen, andererseits anonymen Erpressern deren Datensammlung abzukaufen, um säumige Steuerbetrüger (sc. - innen) mit gestohlenen Daten zu überführen (bzw. zu erpressen), hat Abgründe deutscher Doppelmoral aufgerissen.
Wer sich gestern noch über den Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß empörte, der muss heute doppelt entsetzt sein, wenn lautere, namhafte Hüter bundesrepublikanischer Moral als Steuertrickbetrüger dastehen: Alice Schwarzer, die als vom Fiskus (masc.) verfolgte Feministin keinen Grund zu Reue sieht, oder der einstige ZEIT-Chefredakteur Theo Sommer, der vor lauter Bücherschreiben nicht zum richtigen Ausfüllen seiner Steuererklärung kam - so sein schamvolles Eingeständnis - und/oder mutmaßlich seinem Steuerberater nicht richtig zuhörte. Richtig böse sind wir auf den Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD), dessen Verdienste um die Berliner Kultur plötzlich in Zweifel geraten sind. Schlimmer noch, dessen in der Schweiz verborgenen Nebenverdienste drohen auch Berlins Regierenden Wowereit (ehedem Aspirant aufs Kanzleramt) innerparteilich zu Fall zu bringen und somit neue Koalitionschancen (Rot-Rot) zu eröffnen (mit einem nicht minder verdienstvollen - mutmaßlich knapp unter € 10.000 brutto - Kulturstaatssekretär). Was soll da die Erregung über den CDU-Bundesschatzmeister Linssen, der nichts anderes getan hat, als das Erbe seiner Mutter sicher - vor dem Fiskus - auf den Bahamas anzulegen?
Dem Blogger geht´s - von der Häme über die Doppelmoral der erwähnten Chefmoralisten/Innen abgesehen - nicht um die Moral als solche, genauer: um die Steuermoral. Diese wird von einem deutschen citoyen hochgehalten. Das Problem bei den Steuern, mit dem Recht und der Macht des Fiskus, sieht er, als zum hilflosen Wähler im Parteienstaat degradierter Radikaldemokrat, im Umgang des Staates mit seinen Steuergeldern: Wer bestimmt, wie und was wofür ausgegeben wird, z.B. in Berlin im Sektor Kultur und Soziales: für "Kiezkultur", für "Projekte" aller Art, für die Förderung von diversity oder aber für elementare Schulbildung, einschließlich der Reinigung von Schulgebäuden?
Aber ach, mit derlei patriotischem Stolz ist es nun vorbei. Die vor einigen Jahren von Finanzminister Schäuble (CDU), in bestem Einvernehmen mit den steuer- und umverteilungshungrigen Sozialdemokraten, ersonnene fiskalische Doppeltechnik, "Steuersündern", die ihrer Sünde vornehmlich in der Schweiz huldigten, einerseits durch Selbstanzeige zur (partiellen) Absolution zu verhelfen, andererseits anonymen Erpressern deren Datensammlung abzukaufen, um säumige Steuerbetrüger (sc. - innen) mit gestohlenen Daten zu überführen (bzw. zu erpressen), hat Abgründe deutscher Doppelmoral aufgerissen.
Wer sich gestern noch über den Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß empörte, der muss heute doppelt entsetzt sein, wenn lautere, namhafte Hüter bundesrepublikanischer Moral als Steuertrickbetrüger dastehen: Alice Schwarzer, die als vom Fiskus (masc.) verfolgte Feministin keinen Grund zu Reue sieht, oder der einstige ZEIT-Chefredakteur Theo Sommer, der vor lauter Bücherschreiben nicht zum richtigen Ausfüllen seiner Steuererklärung kam - so sein schamvolles Eingeständnis - und/oder mutmaßlich seinem Steuerberater nicht richtig zuhörte. Richtig böse sind wir auf den Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD), dessen Verdienste um die Berliner Kultur plötzlich in Zweifel geraten sind. Schlimmer noch, dessen in der Schweiz verborgenen Nebenverdienste drohen auch Berlins Regierenden Wowereit (ehedem Aspirant aufs Kanzleramt) innerparteilich zu Fall zu bringen und somit neue Koalitionschancen (Rot-Rot) zu eröffnen (mit einem nicht minder verdienstvollen - mutmaßlich knapp unter € 10.000 brutto - Kulturstaatssekretär). Was soll da die Erregung über den CDU-Bundesschatzmeister Linssen, der nichts anderes getan hat, als das Erbe seiner Mutter sicher - vor dem Fiskus - auf den Bahamas anzulegen?
Dem Blogger geht´s - von der Häme über die Doppelmoral der erwähnten Chefmoralisten/Innen abgesehen - nicht um die Moral als solche, genauer: um die Steuermoral. Diese wird von einem deutschen citoyen hochgehalten. Das Problem bei den Steuern, mit dem Recht und der Macht des Fiskus, sieht er, als zum hilflosen Wähler im Parteienstaat degradierter Radikaldemokrat, im Umgang des Staates mit seinen Steuergeldern: Wer bestimmt, wie und was wofür ausgegeben wird, z.B. in Berlin im Sektor Kultur und Soziales: für "Kiezkultur", für "Projekte" aller Art, für die Förderung von diversity oder aber für elementare Schulbildung, einschließlich der Reinigung von Schulgebäuden?
Mittwoch, 29. Januar 2014
Globales Interessse an des Bloggers "Betrachtungen"
Liebe Blog-Gemeinde,
dass auch der 29. Januar zu den globalen Gedenktagen zählt, entnehme ich soeben der universalen Weisheitsquelle, dem Internet: http://www.historyorb.com/birthdays/january/29?p=2.
Ich erinnere daher meine community an einige Namen, die für das kollektive Gedächtnis der Menschheit unverzichtbar geworden sind wie den schwedischen "Geisterseher" Emanuel Swedenborg (1688-1772), den Revolutionär Thomas Paine (1737-1809), den amerikanischen Präsidenten William McKinley (1843-1901), der anno 1898 nach der Explosion der "U.S.S. Maine" im Hafen von Havanna aufwachte, seine Berühmtheit entdeckte ("I woke up and found myself famous") und Spanien von fast all seinen letzten Kolonien befreite, die USA dabei als neue Weltmacht etablierte, aber knapp drei Jahre später als "Volksfeind " von einem uneinsichtigen Anarchisten erschossen wurde, an Namen wie John D. Rockefeller Jr. ("philanthropist", 1874-1960), "Gerda Steinhoff, Nazi concetration (sic!) camp supervisor (d. 1946)", Luigi Nono (Il canto suspeso; Intolleranza 1960), Ann Jillian, geb. 1950 in "Cambridge Massachusetts, actress (Mr Mom, Jennifer Slept Here)", Oprah Winfrey, geb. 1954 in Kosciuscko, Miss., Bob Holley (geb. 1963, "American professional wrestler") nicht zu vergessen die deutsche Bob- und Schlittenfahrerin Susi Erdmann (geb. 1968) sowie Heide Mueller ("American actress") als eine der jüngsten, noch weithin unbekannten Heldinnen in der hall of global fame.
Des weiteren darf ich Sie informieren, dass zu meinem digitalen Erstaunen unter den Statistiken Blog-Interessenten aus Ländern im fernen Ost- und Südostasien (Süd-Korea, Taiwan, Indonesien, Malaysia) auftauchen - ich vermute wohlgesinnte (!) frühere Studentinnen, aber auch Studenten. Als großartiges Novum auf dem Wege des digital-demokratischen Fortschritts habe ich soeben einen Click aus Belarus registriert. Wenn die Sache so weiter geht, macht Weißrußland noch der Ukraine Konkurrenz, von wo ich seit längerem schon sporadische Aufrufe registriere. Meine Fan-Gemeinde im Pussy-Riot-feindlichen Russischen Reich hat sich in den letzten Wochen leider verringert, mutmaßlich wegen fehlender vegetarischer Anteilnahme am Schicksal der toten nackten Hühner als Kampfinstrumenten der radikal-religiösen Riot-Damen.
dass auch der 29. Januar zu den globalen Gedenktagen zählt, entnehme ich soeben der universalen Weisheitsquelle, dem Internet: http://www.historyorb.com/birthdays/january/29?p=2.
Ich erinnere daher meine community an einige Namen, die für das kollektive Gedächtnis der Menschheit unverzichtbar geworden sind wie den schwedischen "Geisterseher" Emanuel Swedenborg (1688-1772), den Revolutionär Thomas Paine (1737-1809), den amerikanischen Präsidenten William McKinley (1843-1901), der anno 1898 nach der Explosion der "U.S.S. Maine" im Hafen von Havanna aufwachte, seine Berühmtheit entdeckte ("I woke up and found myself famous") und Spanien von fast all seinen letzten Kolonien befreite, die USA dabei als neue Weltmacht etablierte, aber knapp drei Jahre später als "Volksfeind " von einem uneinsichtigen Anarchisten erschossen wurde, an Namen wie John D. Rockefeller Jr. ("philanthropist", 1874-1960), "Gerda Steinhoff, Nazi concetration (sic!) camp supervisor (d. 1946)", Luigi Nono (Il canto suspeso; Intolleranza 1960), Ann Jillian, geb. 1950 in "Cambridge Massachusetts, actress (Mr Mom, Jennifer Slept Here)", Oprah Winfrey, geb. 1954 in Kosciuscko, Miss., Bob Holley (geb. 1963, "American professional wrestler") nicht zu vergessen die deutsche Bob- und Schlittenfahrerin Susi Erdmann (geb. 1968) sowie Heide Mueller ("American actress") als eine der jüngsten, noch weithin unbekannten Heldinnen in der hall of global fame.
Des weiteren darf ich Sie informieren, dass zu meinem digitalen Erstaunen unter den Statistiken Blog-Interessenten aus Ländern im fernen Ost- und Südostasien (Süd-Korea, Taiwan, Indonesien, Malaysia) auftauchen - ich vermute wohlgesinnte (!) frühere Studentinnen, aber auch Studenten. Als großartiges Novum auf dem Wege des digital-demokratischen Fortschritts habe ich soeben einen Click aus Belarus registriert. Wenn die Sache so weiter geht, macht Weißrußland noch der Ukraine Konkurrenz, von wo ich seit längerem schon sporadische Aufrufe registriere. Meine Fan-Gemeinde im Pussy-Riot-feindlichen Russischen Reich hat sich in den letzten Wochen leider verringert, mutmaßlich wegen fehlender vegetarischer Anteilnahme am Schicksal der toten nackten Hühner als Kampfinstrumenten der radikal-religiösen Riot-Damen.
Freitag, 24. Januar 2014
Neuer Rezensionsessay in Iablis
In Iablis 12.Jgg. 2013 ist unter dem Titel
"Menschlichkeit im inneren Kreis des Verbrechens.Vom historischen Quellenwert des Selbstzeugnisses von Friedrich Linhart"
"Menschlichkeit im inneren Kreis des Verbrechens.Vom historischen Quellenwert des Selbstzeugnisses von Friedrich Linhart"
mein Rezensionsessay zu
Friedrich Linhart: Ein Mann aus Zwittau. Leben zwischen slawischen Völkern in Frieden und Krieg, Obertshausen: context-Verlag – Deutscher Hochschulverlag 1995
erschienen. (http://www.iablis.de/iablis_t/2013/ammon13rez.html).
In darf bei dieser Gelegenheit einen von mir heute an Globkult versandten Artikel ("Kritik eines protestantischen Sendschreibens an Papst Franziskus I." ) ankündigen.
erschienen. (http://www.iablis.de/iablis_t/2013/ammon13rez.html).
In darf bei dieser Gelegenheit einen von mir heute an Globkult versandten Artikel ("Kritik eines protestantischen Sendschreibens an Papst Franziskus I." ) ankündigen.
Mittwoch, 15. Januar 2014
Ein Wort zum "Unwort"
In Diktaturen, die gemäß ideologischem Selbstverständnis es als Notwendigkeit und Pflicht verstehen, das Volk zu erziehen und vor Versuchungen eigenen, "falschen" Denkens zu bewahren, wacht die von den Mächtigen eingerichtete Zensur über die Einhaltung der Denk-, Schreib- und Sprachgebote. Für diejenigen, die sich nicht an derlei Gebote halten, kann die Sache gefährlich werden. Einen riskanten Ausweg aus der Gefahrenzone bietet dem widersetzlich selbstdenkend Schreibenden die Satire, vorausgesetzt, dass die Sprach- und Schreibwächter den Sinn des Textes nicht verstehen.
In den liberalen Demokratien gehört die Redefreiheit zu den heiligen Rechten des Bürgers, ob nun Bürgerrecht oder - noch sublimer - Menschenrecht. Zensur findet nicht statt. Die Bundesrepublik stellt diesbezüglich - historisch bedingt - einen gewissen Ausnahmefall dar. Zum einen gibt es das Bundesamt sowie die Landesämter für Verfassungsschutz, die - gemäß ihrer Ausdeutung des von Politik und "Wertewandel" nicht gänzlich unberührten Verfassungstextes - definieren, welche publik gemachten Vorstellungen noch verfassungsgemäß sind und welche als Manifestationen des politischen Extremismus (gestern vor allem Links -, heute fast nur noch Rechts-) zu gelten haben.
Zum anderen verfügt die Bundesrepublik über eine ehrenamtliche ("zivilgesellschaftliche") Einrichtung in Gestalt der "Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres". Ihrer Intenet-Selbstdarstellung (http://www.unwortdesjahres.net/index.php?id=2.) nach waltet über der Aktion eine Jury, die "aus vier SprachwissenschaftlerInnen und einem Journalisten [besteht], die Sprachkritik auch außerhalb der Universität für relevant halten." Alljährlich wird für die sprachkritische Wachaktion ein weiteres Mitglied kooptiert. Anno 2013 war dies der Schriftsteller Ingo Schulze.
Ihre Aufgaben beschreibt die Jury wie folgt: "Die sprachkritische Aktion ´Unwort des Jahres´ möchte das Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern. Sie lenkt den Blick auf sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen im öffentlichen Sprachgebrauch, um damit zu alltäglicher sprachkritischer Reflexion aufzufordern." [...] Die Aktion präsentiert sich basisdemokratisch offen, sie "basiert auf dem Interesse und der Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger. Jede und jeder kann zum 31.12. eines jeden Jahres schriftlich Unwortvorschläge an die Jury einreichen (bitte mit kurzer Begründung und Quellenangaben!). Die Jury ´kreiert´ also keine Unwörter, sondern wählt nach gemeinsamer Diskussion begründet aus den aktuellen Einsendungen aus."
Geht es der Aktion um das "Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität der Bevölkerung", so möchte sie nicht mit "Sprachschützern" verwechselt werden. Vielmehr verfolgt sie sprachästhetische Ziele im Dienste des Menschengeschlechts und der Demokratie. Das ist echt geil, ey! Als Beispiele für zu indizierende "Unwörter" nennt sie "´Geschwätz des Augenblicks´ (für Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche)", die Merkelsche Lieblingsvokabel "alternativlos", die als "Haltung/Position in einer politischen Diskussion" dazu diene, "sich der Argumentationspflicht zu entziehen", sodann diskriminierende Begriffe wie "Wohlstandsmüll" schließlich "euphemistische, verschleiernde oder gar irreführende" Wörter wie "freiwillige Ausreise", wo es doch um die meist unfreiwillig - über Abschiebehaftanstalten herbeigeführte Rückkehr von erfolglosen Asylbewerbern - neologistisches Substitut für das semantisch eindeutige "Asylsuchende" sowie für die ehedem gebräuchliche Bezeichnung "Asylanten" (ein "Unwort") - in ihre Heimatländer gehe.
Für die Verbreitung ihrer Grundsätze und für die Zurückdrängung von "Unwörtern" findet die in Darmstadt situierte "Aktion" in der Bevölkerung fleißige Unterstützung. Laut Spiegel-online wählte "die sprachkritische Jury aus mehr als 1300 Einsendungen aus, in denen 746 verschiedene Wörter vorgeschlagen wurden. Die häufigsten Einsendungen, die den Kriterien der Jury entsprechen, waren ´Supergrundrecht (45-mal), ´Homo-Ehe´ (19-mal), ´Ausschließeritis´ (16-mal) und ´Armutszuwanderung/-einwanderung´ (15-mal). Das Gremium entscheidet aber unabhängig und richtet sich nicht nach der Häufigkeit der Vorschläge." (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/unwort-des-jahres-2013-a-943383.html.)
Am Dienstag, 14. Januar 2014, verkündete die Jury ihr rückwirkendes Urteil für 2013: Es lautet "Sozialtourismus". Zur Erläuterung: Es handelt sich um eine zu EU-Wahlkampfzwecken von der CSU geprägte Vokabel für die EU-rechtlich noch nicht gänzlich geklärte Inanspruchnahme von bundesrepublikanischen Sozialstaatsalimenten (nach Hartz IV) durch EU-Bürgerinnen und Bürger, die sich der - womöglich vergeblichen - Mühe, drei Monate im EU-Kernland nach Arbeit zu suchen, entschlagen und den direkten Weg zur Wohlfahrtsquelle bevorzugen.
Dem Blogger liegt es fern, die Mitglieder der Jury oder die um das deutsche Sprachwohl besorgten Bürger zur alltäglichen, freiwilligen Beherbergung irgendwelcher vom bundesrepublikanischen "Reichtum" angezogenen "Migranten" (oder auch "Zuwanderer") aufzufordern. Es gilt nicht, die hohe Moral der beamteten Einkommensbezieher und deren bevorzugte Wohnlage in Frage zu stellen. Er nimmt indes Anstoß an der absurden Schreibweise oder- inzwischen auch - möglichst durch Hiatus oder Schluckauf zu akzentuierenden ? - Redeweise "SprachwissenschaftlerInnen", sodann an der eigenartigen Juxtaposition "Haltung/Position", last but not least an dem Terminus "Unwort". Ihm geht es auch um die Frage, wer, wie und warum bestimmte Sprachusancen außerhalb der Universität - von wo sich nicht selten allerlei ideologischer Sprachmüll in den politischen Mittel- und Unterschichten verbreitet - für "relevant halten" darf, um sodann das "Unwort" publik zu machen.
Das anno 1991 erstmals proklamierte "Unwort" wirft eine sprachlogische Frage auf: Das von den Sprachhütern ersonnene Antonym bezieht sich auf "Wort". Sofern "Wort" auch mit logos zu tun hat, ist das "Unwort" nicht nur unlogisch, sondern a-logisch, anders ausgedrückt: Nonsens.
In den liberalen Demokratien gehört die Redefreiheit zu den heiligen Rechten des Bürgers, ob nun Bürgerrecht oder - noch sublimer - Menschenrecht. Zensur findet nicht statt. Die Bundesrepublik stellt diesbezüglich - historisch bedingt - einen gewissen Ausnahmefall dar. Zum einen gibt es das Bundesamt sowie die Landesämter für Verfassungsschutz, die - gemäß ihrer Ausdeutung des von Politik und "Wertewandel" nicht gänzlich unberührten Verfassungstextes - definieren, welche publik gemachten Vorstellungen noch verfassungsgemäß sind und welche als Manifestationen des politischen Extremismus (gestern vor allem Links -, heute fast nur noch Rechts-) zu gelten haben.
Zum anderen verfügt die Bundesrepublik über eine ehrenamtliche ("zivilgesellschaftliche") Einrichtung in Gestalt der "Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres". Ihrer Intenet-Selbstdarstellung (http://www.unwortdesjahres.net/index.php?id=2.) nach waltet über der Aktion eine Jury, die "aus vier SprachwissenschaftlerInnen und einem Journalisten [besteht], die Sprachkritik auch außerhalb der Universität für relevant halten." Alljährlich wird für die sprachkritische Wachaktion ein weiteres Mitglied kooptiert. Anno 2013 war dies der Schriftsteller Ingo Schulze.
Ihre Aufgaben beschreibt die Jury wie folgt: "Die sprachkritische Aktion ´Unwort des Jahres´ möchte das Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern. Sie lenkt den Blick auf sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen im öffentlichen Sprachgebrauch, um damit zu alltäglicher sprachkritischer Reflexion aufzufordern." [...] Die Aktion präsentiert sich basisdemokratisch offen, sie "basiert auf dem Interesse und der Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger. Jede und jeder kann zum 31.12. eines jeden Jahres schriftlich Unwortvorschläge an die Jury einreichen (bitte mit kurzer Begründung und Quellenangaben!). Die Jury ´kreiert´ also keine Unwörter, sondern wählt nach gemeinsamer Diskussion begründet aus den aktuellen Einsendungen aus."
Geht es der Aktion um das "Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität der Bevölkerung", so möchte sie nicht mit "Sprachschützern" verwechselt werden. Vielmehr verfolgt sie sprachästhetische Ziele im Dienste des Menschengeschlechts und der Demokratie. Das ist echt geil, ey! Als Beispiele für zu indizierende "Unwörter" nennt sie "´Geschwätz des Augenblicks´ (für Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche)", die Merkelsche Lieblingsvokabel "alternativlos", die als "Haltung/Position in einer politischen Diskussion" dazu diene, "sich der Argumentationspflicht zu entziehen", sodann diskriminierende Begriffe wie "Wohlstandsmüll" schließlich "euphemistische, verschleiernde oder gar irreführende" Wörter wie "freiwillige Ausreise", wo es doch um die meist unfreiwillig - über Abschiebehaftanstalten herbeigeführte Rückkehr von erfolglosen Asylbewerbern - neologistisches Substitut für das semantisch eindeutige "Asylsuchende" sowie für die ehedem gebräuchliche Bezeichnung "Asylanten" (ein "Unwort") - in ihre Heimatländer gehe.
Für die Verbreitung ihrer Grundsätze und für die Zurückdrängung von "Unwörtern" findet die in Darmstadt situierte "Aktion" in der Bevölkerung fleißige Unterstützung. Laut Spiegel-online wählte "die sprachkritische Jury aus mehr als 1300 Einsendungen aus, in denen 746 verschiedene Wörter vorgeschlagen wurden. Die häufigsten Einsendungen, die den Kriterien der Jury entsprechen, waren ´Supergrundrecht (45-mal), ´Homo-Ehe´ (19-mal), ´Ausschließeritis´ (16-mal) und ´Armutszuwanderung/-einwanderung´ (15-mal). Das Gremium entscheidet aber unabhängig und richtet sich nicht nach der Häufigkeit der Vorschläge." (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/unwort-des-jahres-2013-a-943383.html.)
Am Dienstag, 14. Januar 2014, verkündete die Jury ihr rückwirkendes Urteil für 2013: Es lautet "Sozialtourismus". Zur Erläuterung: Es handelt sich um eine zu EU-Wahlkampfzwecken von der CSU geprägte Vokabel für die EU-rechtlich noch nicht gänzlich geklärte Inanspruchnahme von bundesrepublikanischen Sozialstaatsalimenten (nach Hartz IV) durch EU-Bürgerinnen und Bürger, die sich der - womöglich vergeblichen - Mühe, drei Monate im EU-Kernland nach Arbeit zu suchen, entschlagen und den direkten Weg zur Wohlfahrtsquelle bevorzugen.
Dem Blogger liegt es fern, die Mitglieder der Jury oder die um das deutsche Sprachwohl besorgten Bürger zur alltäglichen, freiwilligen Beherbergung irgendwelcher vom bundesrepublikanischen "Reichtum" angezogenen "Migranten" (oder auch "Zuwanderer") aufzufordern. Es gilt nicht, die hohe Moral der beamteten Einkommensbezieher und deren bevorzugte Wohnlage in Frage zu stellen. Er nimmt indes Anstoß an der absurden Schreibweise oder- inzwischen auch - möglichst durch Hiatus oder Schluckauf zu akzentuierenden ? - Redeweise "SprachwissenschaftlerInnen", sodann an der eigenartigen Juxtaposition "Haltung/Position", last but not least an dem Terminus "Unwort". Ihm geht es auch um die Frage, wer, wie und warum bestimmte Sprachusancen außerhalb der Universität - von wo sich nicht selten allerlei ideologischer Sprachmüll in den politischen Mittel- und Unterschichten verbreitet - für "relevant halten" darf, um sodann das "Unwort" publik zu machen.
Das anno 1991 erstmals proklamierte "Unwort" wirft eine sprachlogische Frage auf: Das von den Sprachhütern ersonnene Antonym bezieht sich auf "Wort". Sofern "Wort" auch mit logos zu tun hat, ist das "Unwort" nicht nur unlogisch, sondern a-logisch, anders ausgedrückt: Nonsens.
Donnerstag, 9. Januar 2014
Mediales Mitleid, medialer Mut und mediale Schönheit
Drei Geschehnisse, welche die Medienwelt (BILD etc., Qualitäts-, Print- und online-Erzeugnisse, dazu "Spiegel", "Stern" und "Focus", von der Glotze abgesehen) erschüttern, genauer: ihr als "Aufreger" (neogerman. für aufsehenerregendes Vorkommnis, siehe auch Event) dienen, nötigen den Blogger zu einer Stellungnahme:
1) Seit Tagen nimmt das erwähnte Medienspektrum (einschließlich "Neues Deutschland" ?) aufgeregt Anteil am Zustand des beim Skifahren oberhalb von Grenoble verunglückten Michael Schumacher ("Schumi"). Respekt und Sympathie gebührt der Frau des Verunglückten, die den ihr Haus belagernden Medienfritzen (und Medienmiezen) erklärt hat, sie sollten sie nicht belästigen und sich davonmachen.
2) Für seinen Mut, sich "geoutet", d.h. nach dem Rückzug aus dem Fußballgeschäft medial (per Video etc.) seine Homosexualität kundgetan zu haben, wird der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsberger von allen Seiten beglückwünscht, vom grünen Menschenrechtsexperten Volker Beck sowieso, vom bereits vergessenen Ex-Außenminister Guido Westerwelle, auch von Angela Merkel (durch ihren Regierungssprecher). Es fehlt nach meinem derzeitigen Wissensstand noch der Bundespräsident.
Die genannten Medien sind von Hitzlbergers Bekennermut - über einige Jahre hatte er´s noch mit einer Freundin probiert - ohnehin begeistert. In meinem unübertrefflichen Internet-Medium "Yahoo" ist folgendes zu lesen: "Das öffentliche Coming Out von Ex-Fußballnationalspieler Thomas Hitzlsperger trifft bei Experten und ehemaligen Kollegen auf große Zustimmung. Die Kulturanthropologin Tatjana Eggeling forscht seit Jahren zum Thema Homophobie im Sport." Na also.
Geht es nach den Medien und den Politikern, so rangiert der "Mut" oder die "Zivilcourage" derer, die in der "Zivilgesellschaft" ihr "coming out" inszenieren, etwa gleichrangig mit dem eines Widerstandskämpfers gegen die Nazi-Diktatur.
3) Die SPD, so ist aus dem Munde des Parteivorsitzenden und Merkels Vizekanzlers Sigmar Gabriel zu vernehmen, wünscht für die Funktion der Generalsekretärin als Nachfolgerin von Andrea Nahles die Gewerkschafterin Yasmin Fahimi. Ob der Postenvorschlag innerparteilich uneingeschränkte Zustimmung findet, steht noch dahin. Es stehen Gerüchte des Lobbyismus und der Postenschieberei im Raum. Für den Blogger ist letzteres Thema bedeutungslos. Ihn bewegt angesichts der beeindruckenden Schönheit der immerhin mit ???, jedenfalls einem Mann, liierten Dame eine andere Frage: Soll hier wiederum nur die Frauenquote erfüllt werden oder steckt hinter der Nominierung eine innerparteiliche homophobe Hetero-Lobby?
1) Seit Tagen nimmt das erwähnte Medienspektrum (einschließlich "Neues Deutschland" ?) aufgeregt Anteil am Zustand des beim Skifahren oberhalb von Grenoble verunglückten Michael Schumacher ("Schumi"). Respekt und Sympathie gebührt der Frau des Verunglückten, die den ihr Haus belagernden Medienfritzen (und Medienmiezen) erklärt hat, sie sollten sie nicht belästigen und sich davonmachen.
2) Für seinen Mut, sich "geoutet", d.h. nach dem Rückzug aus dem Fußballgeschäft medial (per Video etc.) seine Homosexualität kundgetan zu haben, wird der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsberger von allen Seiten beglückwünscht, vom grünen Menschenrechtsexperten Volker Beck sowieso, vom bereits vergessenen Ex-Außenminister Guido Westerwelle, auch von Angela Merkel (durch ihren Regierungssprecher). Es fehlt nach meinem derzeitigen Wissensstand noch der Bundespräsident.
Die genannten Medien sind von Hitzlbergers Bekennermut - über einige Jahre hatte er´s noch mit einer Freundin probiert - ohnehin begeistert. In meinem unübertrefflichen Internet-Medium "Yahoo" ist folgendes zu lesen: "Das öffentliche Coming Out von Ex-Fußballnationalspieler Thomas Hitzlsperger trifft bei Experten und ehemaligen Kollegen auf große Zustimmung. Die Kulturanthropologin Tatjana Eggeling forscht seit Jahren zum Thema Homophobie im Sport." Na also.
Geht es nach den Medien und den Politikern, so rangiert der "Mut" oder die "Zivilcourage" derer, die in der "Zivilgesellschaft" ihr "coming out" inszenieren, etwa gleichrangig mit dem eines Widerstandskämpfers gegen die Nazi-Diktatur.
3) Die SPD, so ist aus dem Munde des Parteivorsitzenden und Merkels Vizekanzlers Sigmar Gabriel zu vernehmen, wünscht für die Funktion der Generalsekretärin als Nachfolgerin von Andrea Nahles die Gewerkschafterin Yasmin Fahimi. Ob der Postenvorschlag innerparteilich uneingeschränkte Zustimmung findet, steht noch dahin. Es stehen Gerüchte des Lobbyismus und der Postenschieberei im Raum. Für den Blogger ist letzteres Thema bedeutungslos. Ihn bewegt angesichts der beeindruckenden Schönheit der immerhin mit ???, jedenfalls einem Mann, liierten Dame eine andere Frage: Soll hier wiederum nur die Frauenquote erfüllt werden oder steckt hinter der Nominierung eine innerparteiliche homophobe Hetero-Lobby?
Dienstag, 7. Januar 2014
Buchbesprechungen bei academia.edu
Ich verweise auf meine in den letzten Tagen bei
www.academia.edu
eingestellten aktualisierten, teilweise erweiterten Buchbesprechungen.
Freitag, 3. Januar 2014
Herfried Münkler zum großen Gedenkjahr des Großen Krieges
Auf eine Einstimmung auf das Gedenkjahr 2014/1914 muß ich das verehrte Publikum vorerst vertrösten. Der Jahreswechsel wirkt trotz der salbungsvollen Weihnachtsworte unseres Bundespräsidenten (dazu Henryk Broder http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/joachim_mach_das_tor_auf die ich selbstverständlich nicht der Glotze, sondern nur in Exzerpten der Zeitung sowie den online-Publikationen entnommen habe, gesundheitlich noch nach, so daß tiefgründige Analysen der Welt- und EU-Lage vorerst unterbleiben müssen.
Im Anschluß an meinen vorweihnachtlichen Kommentar zu Christopher Clarks "revisionistischem" Opus habe ich das nicht minder umfangreiche Werk von Herfried Münkler "Der Große Krieg. Die Welt 1914-1918" (Rowohlt Berlin, Dez. 2013) in Angriff genommen. Noch vor wenigen Jahren, erst recht vor 1989, wäre ein solches gegen den noch immer von Kathedern, Kanzeln, protestantischen und katholischen Politakademien, der BpB (=Bundeszentrale für politische Bildung) sowie Rahmenrichtlinien für Sekundarschulen, (und/oder Gymnasien / G12 oder G 13) jeglicher Qualität verbreiteten Zeitgeist geschriebenes Werk kaum denkbar gewesen. Eine Kritik des Buches - mutmaßlich bei Globkult (?) - bzw. ein Essay über die leidige, indes an die Ursprünge aller vergangenen Schrecken und gegenwärtigen Übel reichende Kriegsschuldthematik sei hiermit - vorbehaltlich des Termins - angekündigt. Ich nutze die Gelegenheit, auf einen bei academia.edu aufrufbaren Aufsatz zu "Versailles" zu verweisen, den ich unter dem Diktat des Gedenkens anno 2009 für die mittlerweile vom Soupcon gereinigte "Junge Freiheit" schrieb:
https://www.academia.edu/3195505/Versailles_Gedenkort_deutscher_Geschichte
Im Anschluß an meinen vorweihnachtlichen Kommentar zu Christopher Clarks "revisionistischem" Opus habe ich das nicht minder umfangreiche Werk von Herfried Münkler "Der Große Krieg. Die Welt 1914-1918" (Rowohlt Berlin, Dez. 2013) in Angriff genommen. Noch vor wenigen Jahren, erst recht vor 1989, wäre ein solches gegen den noch immer von Kathedern, Kanzeln, protestantischen und katholischen Politakademien, der BpB (=Bundeszentrale für politische Bildung) sowie Rahmenrichtlinien für Sekundarschulen, (und/oder Gymnasien / G12 oder G 13) jeglicher Qualität verbreiteten Zeitgeist geschriebenes Werk kaum denkbar gewesen. Eine Kritik des Buches - mutmaßlich bei Globkult (?) - bzw. ein Essay über die leidige, indes an die Ursprünge aller vergangenen Schrecken und gegenwärtigen Übel reichende Kriegsschuldthematik sei hiermit - vorbehaltlich des Termins - angekündigt. Ich nutze die Gelegenheit, auf einen bei academia.edu aufrufbaren Aufsatz zu "Versailles" zu verweisen, den ich unter dem Diktat des Gedenkens anno 2009 für die mittlerweile vom Soupcon gereinigte "Junge Freiheit" schrieb:
https://www.academia.edu/3195505/Versailles_Gedenkort_deutscher_Geschichte
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