Donnerstag, 24. September 2026

Noch Zeit für Umdenken und Umlenken?

Als ich in einer Freundesrunde in einem italienischen Lokal mein Entsetzen über das Berliner Wahlergebnis kundtat, wurde meine Reaktion mehrheitlich fehlinterpretiert. Ich hätte wohl den Stimmenzuwachs für die AfD gemeint. Nein, ich meinte den - über die Umfragen hinausgehenden -  Höhenflug der Partei "Die Linke" mit über 25 Prozent in der Bundeshauptstadt. 

In den  noch "bürgerlichen" Stadtteilen, d.h. in  grünrötlich gestimmten Kreisen und selbst im CDU-Publikum, konnte man die politischen, genauer: politisch-kulturellen Folgen der fortschreitenden Einwanderung aus dem  nichteuropäischem Kulturraum über Jahre hin bequem ignorieren. Falls  überhaupt noch vorhanden, schickte man die Kinder in Schulen mit überwiegend ethnodeutschen Klassen, um der Konfrontation mit der Wirklichkeit zu entgehen.

Was man  bis zum Abend des 20. September 2026 nicht wahrhaben wollte: Während die in Deutschland  ideologisch dominanten Linksliberalen (inklusive CDU) ihrem Wunschbild von "Integration" anhingen, Familiennachzug aus "humanitären Gründen" förderten, Einbürgerungen ständig erleichterten, den Kampf gegen "rechts" forcierten, veränderte sich nicht nur das "Stadtbild", sondern die politische Szenerie in "unserer Demokratie". 

Jetzt kommt mit der lautstarken Wiederkehr der bereits totgesagten "Linken" das böse Erwachen aus der politischen Traumwelt: Da kreuzt bei der Wahlparty der "Linken" in Neukölln der Chef des kriminellen Remmo-Clans auf, der optimistisch bekennt, in der "Linken" seine politische Repräsentation gefunden zu haben. Der physiognomisch eindrucksvolle, mit Direktmandat in den Bundestag gewählte "Linke"-MdB Ferat Kocat will von einer Einladung an den Patriarchen nichts gewusst haben, obgleich er mit ihm in bestem Chat-Verkehr ("Respekt") stand.  Auch ein PFLP-Aktivist wurde auf der Party gesichtet. Natürlich "distanziert" sich der aus Palästina stammende Rechtsanwalt Ahmed Abed, der den aufgrund der - schon vor Jahren vom damaligen Bürgermeister Buschkowsky beklagten - Zustände in Neukölln resignierten Sozialdemokraten Martin Hikel als Bezirksbürgermeister ablösen wird, von jeglichem Antisemitismus. Von "Jalla, jalla Intifada"-Rufen im Wahlkampf will kein "Linker" (m/w/d) was gehört haben. Und wenn doch, waren´s ein paar Außenseiter...

Manche Grünen wundern sich, dass sie ihre Hochburg Kreuzberg-Friedrichshain an die "Linke" verloren haben. Sie und ihre ideologischen Verstärker (m/w/d) in den Medien werden sich künftig noch mehr wundern. In ihrem mit postnationalem, auch "antideutschem" Bewusstsein und moralischer Überheblichkeit ausgestatteten Wolkenkuckucksheim  haben sie jahrzehntelang nicht sehen wollen, was "Migration" aus außereuropäischer, orientalisch geprägter Kultur für eine Gesellschaft bedeutet:  Parallelgesellschaften, Überlastung des Sozialstaats, Niedergang der Bildungsstandards, archaische Familienstrukturen etc. Die vor allem von Sozialdemokraten - obenan Bundespräsident Walter Steinmaier als Förderer der Vorzeige-Demokratin Sawsan Chebli - genährte Vorstellung, qua Einwanderung und Einbürgerung eine neue Stammwählerschaft aufzubauen, hat sich als Illusion erwiesen: Die Neubürger ( inklusive die in Varianten verschleierten Neubürgerinnen), oft genug Analphabeten, wählen die Partei, die ihren aus den Heimatländern mitgebrachten Vorstellungen und ihren migrantischen Partikularinteressen am besten entspricht. Wiederum kein Zufall: In einigen Großstädten  haben akademisch gerüstete migrantische  Protagonisten bereits erfolgreich den Parteiapparat der SPD und der "Linken" übernommen.    

Die bezüglich des importierten Antisemitismus lange verdrängte Realität beschreibt Michael Wolffsohn (https://www.achgut.com/artikel/judenjagd_gestern_heute_morgen): "Nicht aus Dummheit, gar Judenhass oder Mitmenschlichkeit, wurden vor allem Muslime in westliche Länder geholt, sondern in der Hoffnung, die neuen Nächsten schnell funktional und wertbezogen anlernen sowie lebensgewohnheitlich angleichen zu können. So menschenfreundlich wie hinausposaunt war die westliche Willkommenskultur freilich nicht. Quantitativ, doch nicht funktional-qualitativ füllen diese wenig qualifizierten Migranten die demografische Lücke der westlichen Gesellschaften. Sie werden ökonomisch-funktional, meist für niedere Arbeiten, gebraucht, menschlich erwünscht sind sie, allen Schönrednern zum Trotz, nicht. Und, o Wunder, die Nur-Gebrauchten merken es. Sie suchen den und die Schuldigen und – wie könnte es anders sein? – sie „wissen“ aus der selbst oder von den Eltern erlebten alten Heimat sowie aus dem Koran und der mündlichen Überlieferung, dass hinter dem und den Bösen „die“ Juden stecken. Kontrafaktisch ist diese Annahme, denn „die“ Juden Europas hielten aufgrund ihrer eigenen Geschichte muslimische Migranten, besonders Flüchtlinge, für Schicksalsgenossen."

In der von wirtschaftlichem Niedergang betroffenen "modernen Einwanderungsgesellschaft" - linksliberale Standardformel - zeichnet sich eine verhängnisvolle Spaltung ab: hier eine "progressive Linke", gestützt auf muslimische Migranten, junges akademisches Prekariat und gewaltbereite "Antifa", dort die zusehends auch im Westen expandierende AfD mit ethnodeutscher Wählerbasis und einem autoritären, real "rechten" Rand. Das schlimmstmögliche Szenario will man sich lieber nicht ausmalen...

"Deutschland schafft sich ab" - der anno 2010 von Thilo Sarrazin formulierte Warnruf blieb bis heute ungehört. Die im Wahlkampf 2025 von Friedrich Merz versprochene Wende in der Migrationspolitik blieb aus. Wenn die "Parteien der Mitte"  nicht noch in letzter Minute umdenken, um eine Migrationspolitik nach dänischem Vorbild durchzusetzen, ist es für reale, die Zukunft der deutschen Gesellschaft sichernde "Reformen" zu spät. Viel Zeit bleibt nicht mehr.   

 

Montag, 21. September 2026

Nichts Neues von Francis Fukuyama

 

Im Sommer 1989, noch vor dem Mauerfall, veröffentlichte der damals in einem Planungsstab des State Department tätige Politikwissenschaftler Francis Fukuyama einen Aufsatz mit dem Titel „The End of History“ in der neokonservativen Zeitschrift The National Interest. Aufsehen erregte er sodann 1992 mit dem gleichnamigen Buch. Er konstatierte, dass mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion das im Westen entstandene System des Liberalismus, gegründet auf Rechtsstaat, demokratische Verfahren und Kapitalismus, sich weltweit durchgesetzt habe, so dass die Weltgeschichte eine Art Endzustand erreicht habe.

Mit dieser These wurde Fukuyama als geistiger Nachfahre Hegels eingeordnet. Gleichsam als Antithese zu Fukuyama erschien 1996 das Buch des Harvard-Historikers Samuel T. Huntington mit Titel „The Clash of Civilizations“. In der liberal-progressiv gestimmten scientific community sowie in der Medienwelt wurde Huntington als Widerpart Fukuyamas wahrgenommen und ob seiner Zweifel an einem friedvollen Miteinander der Kulturen skandalisiert. Umgekehrt sahen sich Kritiker Fukuyamas durch die Kriege der neunziger Jahre im zerfallenen Jugoslawien bestätigt. Auch Huntington, ehedem einer von Fukuyamas akademischen Lehrern, hielt das liberale Konzept seines Schülers vom „Ende der Geschichte“ für untauglich. Über längere Zeit hin wechselten Huntington und Fukuyama kein Wort mehr.

Der Titel von Fukuyamas jüngstem Buch lässt eine Revision seiner früheren These erwarten. Nichts dergleichen. Wohl spricht er im Vorwort von der – mit der Finanzkrise von 2008 einsetzenden, von autoritären Staatsführern wie Trump und Putin, von Populisten und Extremisten rechts wie links forcierten „Krise des Liberalismus“. Er betont jedoch, dass er seinerzeit unter dem Eindruck des siegreichen Westens den Begriff vom „Ende der Geschichte“ von dem russisch-französischen Philosophen Alexandre Kojève übernommen habe, der sich wiederum auf Hegels - im Horizont von 1806 entstandene - Geschichtsdeutung bezog.

Das vorliegende Buch, besteht - inklusive Vor- und Nachwort - aus 37 teilweise autobigraphischen Kurzessays. Fukuyamas Großvater, einem Geschlecht von Samurais entstammend, spielte – nach Studienaufenthalt in Berlin und Vorlesungen von Werner Sombart – als Agrarökonom und Mitgründer der ökonomischen Fakultät der Universität Kyoto eine Rolle bei der Modernisierung Japans. Die Familie der (anderen ?) Großmutter war noch in Japan zum Christentum konvertiert. Fukuyamas Vater, Theologe und Soziologe avancierte in den nationalen Vorstand der theologisch und politisch progressiven United Church of Christ. Im Gegensatz zu Sohn Francis blieb er zeitlebens ein überzeugter amerikanischer liberal und Pazifist.

Historisch erhellend sind Episoden aus der Vita des lebensfrohen Onkels Hiroo. Er gehörte zu den Nisei, den im II. Weltkrieg internierten japanischen Amerikanern. Anders als jene Freiwilligen, die  – nach Meldung aus den Lagern - in geschlossener Einheit in Italien kämpften, landete Hiroo als Dolmetscher in Chongqing, dem Rückzugsort Chiang Kai-sheks. Dort freundete er sich mit Sun Yat-sens Witwe Soong Ching-ling an. Später fungierte Madame Sun Yat-sen, die mittlere von drei christlichen Schwestern, als Aushängeschild in Maos kommunistischer Volksrepublik. Die jüngste der drei machte sich als glühend antikommunistische Gattin Chiang Kai-sheks einen Namen. Nach Kriegsende kam Fukuyamas Onkel Hiroo als Besatzungssoldat nach Berlin, wo er seine deutsche Frau kennenlernte.

Unter dem Eindruck des - in mörderisches Chaos mündenden - zweiten Irakkriegs trennte sich Fukuyama vom Lager der Neokonservativen. Er versteht sich seither als „realistischer Wilsonianer“  und verortet seine Position zwischen den harten Realisten und den historisch kurzatmigen neocons. 

Das Idealbild der liberalen Demokratie, wie sie vor 250 Jahren in den USA weltgeschichtliche Wirklichkeit geworden sei, steht für ihn außer Frage.Eine Revision früherer Thesen liegt Fukuyama fern. Vielmehr sieht er – ziemlich blauäugig - namentlich in Lateinamerika die Demokratie voranschreiten. Das Kapitel, in dem er El Salvador, Peru und Argentinien lobend erwähnt, trägt den Titel „Canción para mi América“. Trumps demokratisches Kidnapping des venezolanischen Diktators Maduro hatte bei Abfassung des Buches noch nicht stattgefunden. In Fukuyamas Augen bewegt sich selbst das wahabitische Saudi-Arabien unter Mohammad bin Salman in eine liberale Richtung. Aus derlei Perspektive kann er die blutigen Flecken auf dem Gewand des saudischen Kronprinzen übersehen. 

Zuletzt bekräftigt Fukuyama seine Kritik an Huntington. Dieser habe in seiner Topologie der Kulturen die selbst in der konfuzianischen Weltregion bestehenden Unterschiede nicht gesehen.Wohl erkenne er selbst die gegenwärtige „Krise des Liberalismus“. Wiederum Inspiriert von Kojève, habe er jedoch bereits in seinem früheren Buch betont, dass die Geschichte in der Phase weltpolitischer US-Hegemonie nur eine „Ruhepause“ eingelegt habe. Das „Ende der Geschichte“ habe er mit „der letzte Mensch“ - Nietzsches Spottfigur der Saturiertheit – verknüpft, also auf die dem Versprechen von Wohlstand, Freiheit und Gleichheit innewohnende Gefahr geistiger Verflachung verwiesen. Er habe schon damals geschrieben: „Das Ende der Geschichte wird ein sehr trauriges sein.“

Auch ein Ende der liberalen Hoffnung? Von Geschichtspessimismus ist in dem Buch  nichts zu spüren, allenfalls gedämpfter Optimismus. Den Gefahren für die liberale Ordnung möchte Fukuyama mit einem Schlenker ins Philosophische begegnen. Die Zukunft der liberalen Demokratie sei dann gewährleistet, wenn sie außer auf Rationalität auch auf thymos, dem in Platons „Politeia“ benannten Streben nach Anerkennung, beruhe. In der Beschwörung von thymos trifft sich der liberale Amereikaner Fukuyama - gewiss ganz  unwissentlich und unbeabsichtigt -  mit dem antiliberalen AfD-Denker Björn Höcke.

Das Buch, angereichert mit Anekdoten aus dem akademischen Leben, enthält kaum schwere Kost. Störend wirken Übersetzungsfehler: Eine „Priesterschule“ wird man an der Divinity School der Universität Chicago nicht finden. Im Deutschen zieht man gemeinsam handelnd nicht an einem Seil, sondern an einem Strang.

Francis Fukuyama: Der letzte Mensch.Wohin steuert die Welt?, Hamburg (Hoffmann & Campe), 2026, 288 Seiten, 26 €.


Der Text ist eine leicht veränderte Version meiner in Cicero, Nr. 09/Sepember 2026, erschienenen Buchbesprechung.


Montag, 14. September 2026

Qual-o-mat

Wenn man nicht zur Gruppe der glaubensfesten Stammwähler einer bestimmten Partei gehört, steht man am Wahlsonntag vor der quälenden Frage: Wo soll ich, wo darf ich mein Kreuz, genauer: meine zwei Kreuze (links die Erststimme, rechts die Zweitstimme) machen? Soll ich überhaupt hingehen, wohl wissend, dass absolute Mehrheiten der Vergangenheit angehören, und dass meine Stimme hinsichtlich des Verhaltens der Parteioberen in den Tagen oder gar Wochen nach der Wahl keinen Einfluss hat?  

In Berlin scheint die Sache ohnehin klar: Die CDU hat dank Kai Wegners Liebe zum entspannenden Tennisspiel die entscheidenden Punkte für den (relativen) Wahlsieg vergeigt. Die SPD hat nach innerparteilichen Machtkämpfen sowie nach der Hausdurchsuchung bei ihrem aus Niedersachsen herbeigeholten Kandidaten Steffen Krach keine Chance mehr auf den Spitzenplatz. Beste Chancen kann sich dank ihrer Hamas-Wählerbasis in Neukölln und in den Kneipen der - hoffentlich - Studierenden die "Linke" ausrechnen, die in den Umfragen mit bis zu 23 Prozent vorne liegt. Die hinter der AfD an vierter Stelle liegenden Grünen können sich als umworbene Dritte in jeder Art von  Koalition jetzt schon freuen. Entweder kriegen wir in der Hauptstadt also Rot-Grün-Rot unter Elif Eralp von "Die Linke" als neuer Regierenden Bürgermeisterin oder aber Schwarz-Grün-Rot mit Stefan Evers an der Spitze. Eralp und "Die Linke" sowie nicht wenige Grüne wollen die Wohnungskonzerne enteignen, Evers und die CDU hingegen die "Clans". Das dürfte schwierig werden.

Am besten gefällt mir  das FDP-Plakat in Zehlendorf "Sauberkeit und Recht und Freiheit".  Aber die FDP ist seit Lindners Versagen unter der Ampel-Regierung weit unter die fünf Prozent gerutscht und kommt daher für eine "strategische" Wahlentscheidung nicht in Frage.

Was also tun? Entscheidungshilfe  für den mündigen, aber ratlosen  Bürger verspricht seit einigen Jahren die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): "Der Wahl-O-Mat ist keine Wahlempfehlung, sondern ein Informationsangebot über Wahlen und Politik." Gut. Das "Informationsangebot" besteht wie gehabt aus 38 "Thesen", die nahezu allesamt links-grün aufgeladen sind. Abbwägende Stellungnahme sind nicht vorgesehen. Am besten markiert man das  Feld "Überspringen". Bei zwei Versuchen mit dem bpb-Spielautomaten  landete ich so - mit sechs bzw. acht Treffern - einmal bei dem "umstrittenen" und unsicheren BSW, beim zweiten Mal bei der CDU. Der Qual-o-mat bietet mir wieder mal  für den kommenden Sonntag keine rechte - "recht", nicht rechts, sondern im Sinne von "brauchbar" -  Hilfe. 


Mittwoch, 9. September 2026

Störende Flecken im Ukrainebild

Mit bescheidenen Hoffnungen verfolgten wir die Erkundungsreise - oder war´s ein weiterer Vermittlungsversuch?  - vom Trumps Emissären Kushner und Witkoff nach Moskau und Kiew. Für ein paar Tage schränkten Putin und Selenskyi ihren Krieg sogar etwas ein. Derlei Hoffnungen sind vorerst mal wieder dahin. Putin weicht - offenbar unbeeindruckt von den  Dohnenangriffen der Ukraine auf die russische Infrastruktur - von seinen territorialen und politisch-strategischen Zielen nicht ab. Selenskyi sieht sich militärisch im Aufwind und verlässt sich auf die materielle und moralische Unterstützung der EU, angeführt von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der Außenbeauftragten Kaja Kallas. 

Ein Ende des Ukrainekrieges ist nicht in Sicht. Selenskyi bereitet die Ukraine trotz Gasknappheit auf einen weiteren Kriegswinter ein. Er darf auf unbegrenzte Unterstützung aus Berlin und Brüssel - finanziert durch Ausweitung der Staatsschulden -  rechnen. "Wir Europäer" sind solidarisch mit der Ukraine in ihrem Freiheitskampf gegen den Aggressor Putin. 

An der von Putin mit seiner "militärischen Spezialoperation" begangenen Verletzung des Völkerrechts gibt es nichts zu deuteln, es sei denn man sucht in der langen Vorgeschichte gewisse Gründe für den am 22. Februar eröffneten - und alsbald gescheiterten - Angriff auf Kiew. Außer einigen als "Putinversteher" abqualifizierten Sachkundigen - ganz abgesehen von den Schmuddelkindern AfD und BSW -, gibt es für die politisch-mediale Klasse in Deutschland keinen Zweifel an dem seit der "Zeitenwende" (Olaf Scholz) verfolgten Kurs unbedingter Parteinahme für die Ukraine. Das Regime Putins befestigt das Feindbild, verschärft durch drohende Worte aus Moskau, zuletzt aus dem Munde von Sergej Lawrow (zuletzt siehe https://www.n-tv.de/politik/Lawrow-verschaerft-Ton-gegen-Deutschland-Merz-erklaert-uns-faktisch-den-Krieg-id31274790.html). 

Gewiss, man registriert auch die Schönheitsfehler - Korruption, Machtkämpfe und pathetischer Nationalismus - des "auf dem Weg nach Europa befindlichen" Landes, attestiert der Ukraine jedoch das Markenzeichen einer Demokratie. Mehr noch: Wie in Kriegszeiten üblich, mündet die Parteinahme in Schwarz-Weiß-Denken. Das Böse in Gestalt von Putin (und "Ruzzland") steht gegen das historisch Gute, verkörpert durch Selenskyi und die Ukraine. "Wir" stehen auf der Seite des Guten.

Das Idealbild der überfallenen Ukraine störende Fakten - Zwangsrekrutierungen, Aussonderung russischer Literatur aus den Bibliotheken, Sturz von Puschkin-Denkmälern - werden in der Berichterstattung ausgeblendet oder herabgespielt. Vor diesem Hintergrund erscheint ein von der Ukrainisch Orthodoxen Gemeinde in Berlin veröffentlichter Bericht über ein Verbrechen als mehr denn bedrückendes Randphänomen. (https://orthodoxnews.de/de/verteidigung-glaubens/88672-was-zum-mord-in-der-swjatogorsker-lawra-bekannt-wurde)

Es geschah am 23. August im ostukrainischen Bezirk Donezk im kriegsfrontnahen Swjatogorski Kloster (Swjaohorski monastyr). Der Bericht stützt sich auf die Aussagen eines im Kloster lebenden "Flüchtlings" - mutmaßlich ein Wehrdienstflüchtiger - und Novizen Andrej Kirijenko.  Am 23. August näherten sich drei bewaffnete Kämpfer einer "Spezialeinheit" dem auf einer Bank sitzenden Novizen mit dem Gruß "Slava Ukraine". Als sie den Kampfgruß wiederholten, antwortete der Novize mit dem christlichen Gruß „Ehre sei unserem Herrn und Gott. Rette und bewahre.“ Daraufhin fielen - laut "Mönchsbruder" Andrej die drei Soldaten über ihn her, verprügelten ihn, stachen auf ihn und warfen ihn eine Schlucht hinunter. Während der Novize Andrej überlebte, wurde ein anderer Mönch erschossen, ein weiterer durch Stiche schwer verletzt.  

 Die Militärstaatsanwaltschaft des Bezirks hat die Untersuchung des blutigen Geschehend eingeleitet.  In dem online-Bericht der - offenbar "unpatriotischen" -  UOK-Zeitschrift heißt es weiter: 

"Der Mörder des Mönchs ist bis heute unbekannt. Doch wer immer er sein mag, handelte er (sic) nicht allein. Jahrelang wurde er darauf vorbereitet. Vorbereitet wurde er von Journalisten, die von ´FSB-Angehörigen in den Kirchen´ sprachen, von Abgeordneten, die Priestern ´Koffer – Bahnhof – Russland´ zuriefen, und von Geistlichen patriotischer Konfessionen, die den Klerus und die Gläubigen der UOK als ´Volksfeinde´ bezeichneten.

Was in Swjatogorsk geschah, ist das folgerichtige Ergebnis dieses gesamten Hasses. Und wenn die Behörden die Ukraine, wie sie selbst sagen, für einen demokratischen Rechtsstaat halten, müssen die Ergreifung und die Bestrafung des Verbrechers für sie zu einer Frage der Ehre werden.

Bislang sehen wir jedoch keine Anzeichen dafür. Der Präsident hat den Mord am Mönch (sic) ´nicht bemerkt´, obwohl er die Swjatogorsker Lawra in die Reihe der bedeutendsten ukrainischen Heiligtümer aufgenommen hat, die unter besonderem Schutz des Staates stehen. Auch beim Staatlichen Dienst für Ethnopolitik wurde er ´nicht bemerkt´. Die Polizei schweigt, die Staatsanwaltschaft schweigt und auch die Medien schweigen. Es entsteht der Eindruck, dass von oben der Befehl erteilt wurde, diese Tragödie zu ignorieren."