Mittwoch, 22. April 2026

Timmy und die Zukunft "unserer Demokratie"

In "unserer Demokratie" ist der mündige Bürger (m/w/d) Träger der res publica. Um sich -  frei nach Kant - seiner Mündigkeit zu versichern und - ungetrübt von populistischen Emotionen - verantwortungsbewusst an der politischen Willensbildung im Parteienstaat teilzunehmen, bedarf er umfassender, kritischer Information über die Weltläufte, die Lebensumstände.  Bis zum Siegeszug der Populismus schürenden "sozialen Medien" - Facebook, Instagram, Telegram, Tiktok, X, youtube, Chatgroups etc. - sowie der zahllosen Internetportale geschah dies vermittels Presse, Radio und Fernsehen sowie an Stammtischen. 

Für traditionsbewusste deutsche Demokraten findet die Meinungs- und Willensbildung nach wie vor  über die gewohnten - mit zig Milliarden beitragspflichtiger Bürger finanzierten - Medien, in ARD-Tagesschau und ZDF-Tagesthemen (zusätzlichTalkshows) statt. Die politisch bedeutsamen Themen, die den Bundesbürger (m/w/d) aktuell beschäftigen, sind die Preise von Benzin, Diesel und Kerosin, von Mieten und Immobilien, die Zahl von 27 000 Insolvenzen seit Jahresbeginn - dieser Tage traf es einen alteingesessenen, auf Lampen spezialisierten Familienbetrieb im Berliner Südwesten -, das erneut gegen Null tendierende Wachstum des BIP, der Rückgang registrierter Straftaten - dank teilweiser Freigabe von Cannabis unter der Ampel - sowie der Asylsuchenden, der Anstieg von Gewalttaten (namentlich Vergewaltigungen), sodann Trumps und Netanyahus Krieg gegen den Iran am und um den Persischen Golf sowie gegen Hisbollah, der Fortgang und die Opferzahl im Ukrainekrieg, nicht zuletzt  das Schicksal von "Timmy" in der sandbankreichen Ostsee sowie die Siegestreffer von Bayern München zum Gewinn der xten Deutschen Meisterschaft der Bayern und ihrer Chancen in der Champions League. 

Den Abschluss des abendlichen Bildungserlebnisses   bildet  auf fast allen Kanälen der Krimi mit der richtigen Rollenverteilung  migrantisch/indigen, good cops (w/m), vs. bad guys (m). Das Ganze angereichert mit ein paar Sexszenen.

Die an den Korrespondenten (m/w) in Brüssel, Istanbul, Kairo oder Kiew gerichtete Frage der Nachrichtensprecherin ("Elmar, wie ordnet man in Washington Trumps Ausfälle gegen den Papst politisch ein?") für sich zu beantworten, gehört auch zu den Aufgaben des mündigen Bürgers und TV-Konsumenten. Mehr noch, er ist gehalten, aus dem skizzierten Abendprogramm den historisch-politisch relevanten Zusammenhang zu erkennen und zu bewerten. "Timmy, was machen sie bloß mit dir?" fragt "Bild" heute (22. April 2026) auf der ersten Seite. 

Wir fragen weiter: Ist "Timmys" Leben auch durch die auf dem Grund der Ostsee rostenden Gasgranaten gefährdet? Sollen/dürfen wir uns bei "Timmys" Tragödie auch an die über 7000 Toten der am 16. April 1945 versenkten "Goya" erinnern? Erinnert sich  angesichts der doppelten Blockade der Straße von Hormuz  in Berlin noch jemand  - außer Chrupalla - an die Sprengung von Nordstream 2? Warum aber wurde die durch die Ukraine und Polen gen Westen führende - im Krieg beschädigte - Pipeline "Druschba" soeben repariert? Reichen der aus Frankreich importierte Atomstrom sowie die  flächendeckenden Windräder zur Energieversorgung  deutscher Industrien - im fünften Jahr einer schweren Rezession befindlich - etwa doch nicht aus? Ferner: Wie hoch wird Ungarns Wahlsieger Peter Magyar für die erhoffte Fügsamkeit mit Milliarden aus Brüssel belohnt? Sind wir angesichts aller Imponderabilien des Ukrainekriegs sowie wehrunwilliger linker und rechter Jugendlicher - die Zukunft unserer Demokratie: hie Reichinnek, hie Höcke - bis  2029 kriegstüchtig ? Zuletzt: Wird die Senkung der Steuern auf klimagefährdendes Benzin/Diesel noch rechtzeitig - im Hinblick auf das Kurzzeitgedächtnis des Bürgers (m/w/d) - vor den Landtagswahlen im Herbst (siehe H.A.:https://herbert-ammon.blogspot.com/2026/03/fragen-eines-wahlburgers-im.html) durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer kompensiert? 

Vertrauen in die Regierung - mit Aussicht auf eine größtmögliche Koalition zur Bewahrung der Brandmauer - gehört zu den transzendentalen Voraussetzungen unserer Demokratie. Immerhin: Die - populismusresistente  - emotionale Basis der res publica scheint noch intakt. Denn die Hauptsorge der mündigen Bürger (m/w/d) - nicht allein der werte- und umweltbewussten Grünen - ist derzeit auf "Timmy" gerichtet: Wie schafft es der Buckelwal - im Falle seines Überlebens - zurück in die windparkreiche Nordsee? 

 

 


Mittwoch, 8. April 2026

Protestantisches Prinzip als Antwort auf den „Tod Gottes“?

Die Negativdaten sprechen für sich: leere Kirchen, über vierhunderttausend Kirchenaustritte jährlich, Verkauf oder Abriss von Kirchengebäuden, mehr Bestattungen als Taufen in der alternden Gesellschaft. Und leben wir nicht längst in einer postchristlichen Gesellschaft? „Wo sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht Grüfte und Grabmäler Gottes sind?“ fragte Nietzsche, der Verkünder des Todes Gottes. Eine Antwort findet der als Philosoph promovierte Publizist Alexander Grau in einem dem Nietzsche-Zitat vorangestellten Logion aus dem apokryphen Thomas-Evangelium: „Jesus spricht: ´Werdet Vorübergehende´.“

In dem vorliegenden Essay zur Zukunft des Protestantismus in der „Spätmoderne“ - als Epochenbegriff so fragwürdig wie die „Postmoderne“ - , klingt Grau weniger kulturpessimistisch als sonst. Gewiss, der Transzendenzverlust – nach Max Weber die Entzauberung der Welt - sei in der von Rationalität, Wissenschaft, Technik geprägten Welt irreversibel, aber kein Grund zur Trauer. Denn es war das (paulinische) Christentum, das in der Antike „der Welt den ersten Schub der Entzauberung bescherte,...Gott in die Transzendenz abschob“ und dem Einzelnen den Weg in die Freiheit eröffnete. (16f.) Gegenüber einem allenfalls noch von katholischen Traditionalisten konservierten Antimodernismus – es fehlt der Verweis auf die fundamentalistischen „Evangelikalen“ im protestantischen Lager – argumentiert Grau als Protagonist der Säkularisierungsthese, und dies in radikaler Zuspitzung: „Ohne Christentum kein Humanismus, keine Aufklärung, keine Französische Revolution, kein Liberalismus, kein Sozialismus. Und ohne Christentum keine Säkularisierung und Atheismus.“ (17) Als maßgebliche Autorität für derartige Sätze bezieht er sich nicht auf Ernst Troeltsch, den Hauptvertreter - neben Adolf von Harnack - des liberalen Protestantismus im Kaiserreich, sondern auf den britischen Schriftsteller Tom Holland und dessen Werk Dominion. The Making of the Western Mind (dt. 2021), der die Welt – ungeachtet ihrer bestehenden kulturellen und religiösen Unterschiede – vom Siegeszug westlicher Kultur durchdrungen sieht. (22f.)

Die Auflösung des institutionalisierten Christentums und die „modernen“ Formen von Sinnsuche bedeuten für Grau nicht den „Niedergang christlicher und protestantischer Religiosität, sondern ihr(en) finalen Triumph.“ (18) Immerhin liegt noch ein gewisses Bedauern in der Feststellung, „die nach Orientierung und Sinn suchenden Gesellschaften (sic!) der Moderne sind unempfänglich geworden für die Bilder und Sprache des Christentums.“ (19) Und nicht ganz widerspruchsfrei klingt die These, das Verschwinden des Christentums aus der Alltagskultur sei zu akzeptieren, wenn Grau als „aufgeklärter“ Protestant sich – hier zu Recht - über die auf körperliches Wohlbefinden zielenden „Spiritualitätsmoden“ der Gegenwart, über gefühligen Kirchentagskitsch und die Rolle der EKD als grüner NGO erregt. (12).

In drei Kapiteln (übertitelt mit„Rettungsversuche“, „ Gottes Sterben“, „Gottes Tod“) skizziert Grau die Stufen der Säkularisierung, genauer: die Entmythologisierung christlichen Glaubens im Protestantismus. Die Aufklärung begründete die historische Bibelkritik, Kant reduzierte Gott zum Postulat der Vernunft. Hegel identifizierte Gott teils transzendent, teils weltimmanent als „absoluten Geist“, Feuerbach entdeckte in Gott das im Menschen verborgene Ich-Ideal. Der Hegelianer David Friedrich Strauß eröffnete die Leben-Jesu-Forschung, welche den „historischen Jesus“ ins historische Dunkel entrückte. Albrecht Ritschl, der im Christentum die vollendete geistige und sittliche Religion sah, begründete in der Göttinger Schule ein radikal weltliches – auf Nächstenliebe und Pflichterfüllung gegründetes – Verständnis vom „Reich Gottes“, das bis in die Gegenwart fortwirke. Die vom Linksprotestantismus kultivierte „Anbetung der ´Zivilgesellschaft´“ trage deutliche Züge eines Links-Ritschlianismus. (50)

Im Erste Weltkrieg zerbrachen die vom Kulturprotestantismus vermittelten, christlich eingefärbten Gewissheiten des Bürgertums. Aus der den liberalen Protestantismus erschütternden „Krise des Historismus“ (Troeltsch) gab es zwei Auswege: den eines radikalen Aufgehens in der Kultur oder die von Karl Barth proklamierte Absage an diffuse Religiosität zugunsten „absoluter Weltjenseitigkeit“, d.h. durch radikale Erneuerung des Glaubens an einen „verborgenen Gott“ und dessen Offenbarung. Grau anerkennt Barths Verdienst, das protestantische Christentum gegen „katholischen Zinnober“, gegen äußerlich praktizierte Religion sowie gegen „alle Arten weltlicher Religiosität in Stellung“ gebracht zu haben. (103).Mit Barths revolutionärer Pose, in der sich „kalvinistische Unbedingtkeit mit romantischer Jugendbewegtheit und existenziellem Pathos (mischte)“ (65), kann er sich jedoch nicht anfreunden. Auch Bultmanns Intention, hinter dem entmythologisierten Christentum die „Idee“ des christlichen Mythos zur Geltung zu bringen, stellt er in Frage: „Doch was, wenn diese Idee ein Anachronismus ist?“ (74) Schon bei dem Göttinger Kollegen Rudolf Otto verflüchtigte sich die traditionelle Gottesvorstellung in das „Numinose“.

In seiner Polemik gegen „die Religiösen“ stand Dietrich Bonhoeffer in geistiger Nähe zu Karl Barth, während er sich von dessen „Offenbarungspositivismus“ ironisch distanzierte. Für Grau sind Bonhoeffers Gefängnistexte die wichtigsten Zeugnisse für eine illusionslose Bejahung der Säkularisierung, sprich: des Todes Gottes. Die einschlägigen Begriffe Bonhoeffers sind der „Verzicht auf die Arbeitshypothese Gott“, sowie die Mündigkeit des Menschen in einer völlig religionslosen Zeit. Die Einschränkung, dass Bonhoeffers Reflexionen über Gott changierten, dass er sich in einem Brief an Eberhard Bethge über die Radikalität seines Denkens „erschreckt“ zeigte, fehlt in Graus Essay. Dorothee Sölle, die unter Berufung auf Bonhoeffer proklamierte, „atheistisch an Gott zu glauben“, und den christliche Glauben in Ethik und diese in politischem Aktivismus auflöste, erregte ehedem die Konservativen. Inzwischen sei die von Sölle inaugurierte Polittheologie protestantischer Mainstream, „zumindest im offiziellen Gremienprotestantimus“. „Übrig bleibt politisches Engagement, das von vermeintlich höheren Weihen umwabert wird.“ (95)

Spirituell aufgeladener Aktivismus ignoriere die Konsequenzen der Säkularisierung, d.h. die reale metaphysische Obdachlosigkeit des Menschen. Er bedeute das Gegenteil eines auf „weltlichen Sinnverzicht“ gegründeten „modernen Christentums“ (106). Allen christlich – oder postchristlich – ummäntelten Sinnkonstruktionen hält Grau das „protestantische Prinzip“ entgegen: eine geistige Haltung, die „letztlich im einzelnen und seiner Sehnsucht nach Freiheit, Selbstbestimmung und Individualität wurzelt.“ (10) Für das protestantische Prinzip – sehr viel älter als der Protestantismus selbst – stehe eine lange Reihe von Protagonisten von Epikur über Petrarca, Diderot bis zu Kierkegaard und natürlich Nietzsche. Seine eigene Position – unter dem Symbol des Kreuzes und des von Gott verlassenen Christus – bestimmt Grau mit Schleiermachers „Geschmack fürs Unendliche“, mit Paul Tillichs „unbedingtem Ergriffensein“ sowie mit ins Mystische zielenden Sätzen Ludwig Wittgensteins und Ernst Tugendhats.

Gegen Ende seines Buches zitiert der Autor den emeritierten Theologen Ulrich Barth: „Protestantismus – das ist der Traum einer Religion für freie Geister.“ (140). Es bleibt zu fragen, ob derlei elitäre Attitüde bei schwächeren Gemütern – beim verbliebenen Kirchenvolk – glaubwürdig ankommt. Fragwürdig bleibt auch der von Grau verfochtene - von Luther begründete - protestantische Subjektivismus. Die Abwege, auf die der „moderne“ Protestantismus post mortem Dei geriet - maßgeblich bei dem Göttinger Theologen Emanuel Hirsch als spiritus rector der Deutschen Christen -, bleiben in Graus Essay unerwähnt. Ob der von ihm verfochtene Protestantismus - es handelt sich um eine weitere Ausformung des Kulturprotestantismus – eine Zukunft hat, ist ungewiss. Und die Fragen nach den letzten Dingen bleiben ungelöst.

Alexander Grau: Die Zukunft des Protestantismus. München (Claudius Verlag) 2025,150 Seiten

Meine Besprechung des Essays von Alexander Grau erschien am Ostersonntag unter dem Titel "Der Sieg der Sinnsuche" auf AchGut :https://www.achgut.com/artikel/der_sieg_der_sinnsuche Im dort publizierten Text ist mir ein Lapsus unterlaufen. Ich verwechselte den von Grau erwähnten Göttinger Theologen Rudolf Otto (1969-1937)  mit dem - auch von Bonhoeffer rezipierten - Königsberger Altphilologen und Religionsphilosophen Walter F. Otto (1874-1958). 


Samstag, 21. März 2026

Fragen eines Wahlbürgers im Superwahljahr 2026

Wir befinden uns im Superwahljahr 2026. Ja, wir wissen, in "unserer Demokratie" ist jeder mündige Bürger - genauer: jede/r Bürger:in (mit Click-Hiatus unter Ausschluss von Diversen)  -  verantwortlich für das politische Geschehen in seinem/ihrem Land. Er -  fortan aus Bequemlichkeitsgründen im Text nur noch patriarchalisch ungegendert - ist der Souverän, anders ausgedrückt: Ich bin das Volk. Meine Stimme entscheidet bei Wahlen über die Bestellung der Regierung und damit über die Zukunft unserer Republik. (Näheres zum Thema s. H.A.: Die Entmachtung des Demos in "unserer" Demokratie, https://www.globkult.de/geschichte/rezensionen/2488-die-entmachtung-des-demos-in-%E2%80%9Eunserer%E2%80%9C-demokratie)

Gut, es sei eingeräumt, in derlei Sätzen kommt ein  leicht naives Verständnis der Institutionen und Funktionsmechanismen des demokratischen Verfassungsstaates (nach Art. 2 GG) - oder nicht vielmehr des  Parteienstaates? - zum Ausdruck. Dass Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten, lautet der alte, den Anarchisten zugeschriebene Kalauer. Klar, so einfach sind die Dinge auch wieder nicht. Damit wir unsere selbstverantwortliche Wahlentscheidung treffen können, kommt es vor jeder Wahl zu dem, was in den USA als  "October surprise" bekannt ist: Die Wahlkampfmanager der einen oder anderen Seite bringen in der letzten Phase noch einen Joker ins Spiel, um beim Wahlvolk moralische Empörung über den jeweiligen Gegner auszulösen. Meistens geht es dabei um Sex-Affären, was im Falle Donald Trump jedoch seine "konservativen" Anhänger nicht abschreckte, ihn zu wählen.

Sex oder Sex-Affären spielten in deutschen Wahlkämpfen bis vor kurzem kaum eine Rolle. Das änderte sich erst bei der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg, als die Grünen dem CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel dessen romantische Erinnerungen an die rehbraunen Augen einer Realschülerin als sexistische Verfehlung auslegten. Womöglich brachte die Suggestion - und Hagels zerknirschtes Eingeständnis - dem Grünen Cem Özdemir, genauer: seiner Partei, beim pietistischen Wahlvolk  den entscheidenden Vorsprung von  0,5 Prozent ein. Gibt´s diesbezüglich bereits Umfragen? Und was hätte sich bei einem minimalen Wahlsieg der CDU im Ländle geändert, außer der Rollentausch an der Spitze? Ist die CDU im Südwesten nicht längst so grün wie in NRW oder Schleswig-Holstein? Immerhin, Cem Özdemir bemüht sich um ein ähnlich konservatives Erscheinungsbild wie der bisherige MP Kretschmann. Aus Rücksicht auf die Wählerschaft hat er noch schnell seine Freundin geheiratet.

Am morgigen Sonntag wird in Rheinland-Pfalz gewählt. Die CDU hofft, den noch von seiner Vorgängerin Malu Dreyer ins Amt gebrachten Minsterpräsidenten  Alexander Schweitzer (SPD) ablösen zu können. Laut Umfragen liegen die beiden -  in jenem Bundesland noch als solche existierenden - "Volksparteien" gleichauf. In letzter Minute hat nun die CDU bei dem SPD-Rivalen Schweitzer gewisse - als Begünstigung oder Ämterschacher verdächtige - Techniken der Herrschaftsausübung aufgedeckt. Ob derlei Vorwürfe beim Wähler (m/w/d) das Verhalten in der Wahlkabine noch beeinflussen können?  Wie auch immer:  Diesseits der Brandmauer - der AfD haben ähnlich gelagerte Nepotismus-Vorwürfe in den Umfragen bislang nicht geschadet - blieben dem CDU-Kandidaten Gordon Schnieder wiederum nur die Grünen oder die SPD als Koalitionspartner. Ändern wird sich also wenig. Blickt man im Bundesland an Rhein und Mosel, im Hunsrück und in der Eifel auf die einst schöne Landschaft. so ist sie bereits mit grünen - nachts rot aufleuchtenden - Windkraftwerken übersät. Ändern lässt sich daran selbst unter schwarzer Ägide nichts mehr. Oder was meinen die Pfälzer dazu?  

Am 6. September steht das Schicksal unserer Demokratie auf dem Spiel, denn es droht ein Triumph der AfD in Sachsen-Anhalt. Wird es dort die mehr oder weniger "gesichert rechtsextreme" Partei zu einer absoluten Mehrheit - und damit zum ersten Ministerpräsidenten in einem Bundesland - bringen, wie sich deren Parteigrößen und Stammwähler (m/w/d) erhoffen? Nein, die einst stolze Arbeiterpartei SPD kommt laut Umfragen noch auf acht Prozent. Auch nach Wegfall der paar grünen Stimmen wird es im einstigen Kernland des Reformation zu einer Art Volksfront gegen die AfD noch reichen. Natürlich wird das Entsetzen über die knapp vierzig Prozent für die AfD groß sein. Aber wer  hat sich in "unserer Demokratie" je wirklich für die ehedem in der Zone deutsch-national - mental monoethnisch - zurückgebliebenen Ossis interessiert?

Am 20. September stehen Doppelwahlen in Mecklenburg-Vorpommern - welcher Demokrat besitzt  eigentlich noch keine Ferienwohnung in Meck-Pomm? - und in Berlin an. Gewiss, in beiden Ländern bereitet die erwartbar hohe Stimmenzahl für die AfD allerlei Ärger, aber klar, keine Frage:  In Schwerin wird es qua Addition für Manuela Schwesig zum Weiterregieren reichen, worüber sich die SPD freuen darf.

Zuletzt: Wo soll ich als Berliner Wahlbürger am 20. September mein Kreuz machen? Per Briefwahl oder in der Wahlkabine? Gute Fragen, aber eigentlich überflüssig, denn: Mutmaßlich wird Kai Wegner wegen seines entspannenden Tennisspiels während des linksrevolutionären Stromausfalls im bürgerlichen Südwesten Stimmen verlieren, während die islamophilen Parteien SPD und "Die Linke" sich wegen der Vorfälle im sexuell und rassistisch unterdrückten Neukölln keine Sorgen zu machen brauchen. 

Bis zum 20. September sind die brutalen - brutal unterdrückten - migrantisch-kulturellen Tatsachen schon fast wieder vergessen, wenn nicht, reicht es auch so zu einer demokratischen Mehrheit: Entweder regiert Wegner weiter oder er wird von einem noch glaubensfesteren Demokraten  abgelöst, womöglich gar von einem der - nur in Teilen antisemitischen - Partei "Die Linke". Die Mietpreisbremse bringt der "Linken" Stimmen, die Mißstimmung der AfD. Die SPD sucht derzeit noch nach einem namhaften Kandidaten (m/w/d). Nochmal Giffey? So oder so, an den Zuständen in der Hauptstadt wird sich wenig ändern: Müll, Schmierereien ("Grafitti"), Schlaglöcher, Baustellen (ohne erkennbare Bauarbeiten) und Straßensperren allerorten,  periodisch defektes Verkehrsnetz, Obdachlose, überstrahlt von grün-roter Ideologie.  Was  kann ich mit meiner Stimme daran ändern? 


Sonntag, 8. März 2026

Poem (A.D. 2025)

 

 

Alles was noch der Fall ist

 

Alles, was der Fall ist,

haben weit vor unsrer Zeit

die Denker und Dichter, die Weisen,

kraft hellen Sinnes erfahren,

erfasst, bewegt, erwogen, widerlegt,


gesagt und in Sätze gefasst.

Manche Texte, einst gehütet von Mönchen,

sind in Teilen, gesteh´ ich, noch ungelesen.

Manches verstaubt in den Bücherständen,

doch zuhanden, und in Teilen verstanden.


Und alles, was jetzt über Gut und Böse, Frieden und Krieg,

Mensch und Natur so zu hören man kriegt,

von Virtuosen der Tugend, erregten Actricen,

von Hegemonen und Hypokriten.

Das schlägt aufs Gemüt.


Alles. Mit verschlissenen Dogmen,

und polierten Begriffen, entleert von Ideen,

belehren sie dich, mich und den dêmos,

den sie verachten: Seht nur, seht her, wir stehn

schon wieder vor des Vergangnen Wiederkehr

 

Wir aber, geboren in Bitterkeit

wir wissen, was wirklich war und voll Leid.

Alles, was ist, was wird, was ihr seid,

ist im Fluss. Unlängst entließ man den Lotsen,

der im Strom uns lenkte hin zu den Toten.


Kannte alles im All,

und was sonst noch der Fall ist. 

 

                                       Poem zum Geburtstag eines Freundes (02.02.2025),                                                                                    Herbert Ammon

                                             

Samstag, 31. Januar 2026

Rhetorik der Machtpolitik und machtbasierte Realität

In meinem Globkult-Beitrag (https://www.globkult.de/politik/welt/2486-internationales-recht-und-internationale-anarchie) unter dem Titel "Internationales Recht und Internationale Anarchie" behandelte ich das im Staatenverkehr angelegte Spannungsverhältnis von realpolitisch begründeten Machtverhältnissen und moralpolitischen Bekenntnissen zu "regelbasierter Politik". In seiner jüngsten Regierungserklärung verkündete nun Bundeskanzler Merz, Europa müsse lernen, "die Sprache der Machtpolitik zu sprechen". Dass in derlei Aussagen stets auch moralpolitische Ansprüche - als ideologische Überhöhungen der Machtpolitik -   mitschwingen, blieb in den durchwegs zustimmenden Kommentaren der Medien ungesagt. 

Gegenüber Merz´ Proklamation, in der er das von ihm geschlossene Freihandelsbakommen (samt Fachkräfteanwerbung) mit Indien sowie das - dank Zusammenspiels von Rechten und Linken im EU-Parlament  - vorerst suspendierte EU-Mercosur-Abkommen als Beleg anführte, erheben sich gewisse Fragen. Die wichtigste betrifft das von Merz - hier als Sprachrohr für die politische Klasse der Bundesrepublik - als Handlungseinheit vorgestellte Europa. Tatsächlich bleibt zu fragen, inwieweit die EU (Brüsseler Synonym für Europa) - ungeachtet aller zentralistischen, in Richtung Bundesstaat zielenden Bestrebungen - bereits  einen geschlossenen, politisch einheitlichen  Machtkomplex darstellt.

Zumindest im Militär- und Sicherheitsbereich bestehen politisch wirksame  Divergenzen fort, solange a) die USA mit ihrer atomar gestützten Präsenz - selbstverständlich auch aus fortbestehendem Eigeninteresse -  als der letztlich maßgebliche Sicherheitsgarant fungieren, und b) eine einheitliche europäische Militärstruktur jenseits der NATO, erst recht eine gesamteuropäische force de frappe, nach wie vor in weiter Ferne liegt. Gerade im Hinblick auf den Ukrainekrieg und das Verhältnis zu Russland liegen die unterschiedlichen Interessen der skandinavischen und baltischen Staaten sowie Polens einerseits, von Staaten wie Tschechien, Slowakei und Ungarn andererseits offen zutage.

Bei allen Überlegungen bezüglich machtpolitischer Realitäten kommt die - nicht zuletzt das gesamte politische System tragende - Wirtschaftspotenz in Spiel. Es ist ein banales Faktum, dass die politische, soziale und - im Hinblick auf die angestrebte immense Aufrüstung - militärische Stabilität der EU von der Wirtschaftsmacht Deutschlands abhängt. Am Ende ist und bleibt die Wirtschaft unser Schicksal. Wie Deutschland aus der anhaltenden Rezession - und der zu deren  Bewältigung erhobenen exorbitanten Schuldenlast - herauskommen soll, ist angesichts der krisenhafte Zustände im Mittelstandsbereich, im Bildungssektor sowie in den Sozialsystemen ungewiss. 

Immerhin haben auch deutsche Politiker (m/w/d), die bis dato die Welt allein durch die moralische Brille betrachteten, erkannt, dass Begriffe wie Großmachtpolitik, Geopolitik und Geostrategie - Machtinteressen im allgemeinen - zum Verständnis der internationalen Beziehungen vonnöten sind. Zu dieser Erkenntnis beigetragen haben einerseits der verhasste russische Machthaber Wladimir Putin, andererseits der ob seiner rüpelhaften Manieren und  Sprunghaftigkeit verachtete US-Präsident Donald Trump. Als respektablen Partner in globalen Machtverhältnissen hat Bundeskanzler Merz jetzt auch den indischen Präsidenten Modi umworben, ohne dessen Hindu-Nationalismus anstößig zu finden. Anders verhält es sich mit der Wahrnehmung Chinas unter Xi Jinping, der soeben seine Machtposition durch Ablösung der gesamten Militärführung diktatorisch gefestigt hat. Kann sich die deutsche Wirtschaft von China als wichtigstem Handelspartner und Besitzer kritischer Rohstoffe lösen, und wie? Und kann sich Deutschland - und/oder EU-Europa - einen Dauerkonflikt mit Russland leisten?

Wie sich die internationalen Beziehungen  - sprich: die globalen Machtverhältnisse - in der Zukunft, nach einem ersehnten Ende des Ukrainekriegs, entwickeln, liegt in ungewisser Zukunft. Die damit verbundenen Fragen sind jedoch zu gravierend, als dass sie anno 2026 zu Fensterreden oder billigen Wahlkampfthemen taugen. 

 


Freitag, 16. Januar 2026

Leseempfehlungen statt eines Kommentars zum Berliner Politalltag sowie zur Bundeswehr auf Grönland

An all jene (m/w/d), die sich für meine Blog-Einträge interessieren, ohne zuerst auf das Internet-Portal  Globkult aufzurufen, hier nur eine kurze Glosse sowie drei Lesehinweise:

Berlinisches

 Ein Blick auf den Berliner Politalltag genügt: Blackout in den Vierteln der "Reichen" (aber nicht am Prenzlauer Berg),  Reichinneks "linker" Verdacht, Tennismatch zweier (auch  menschlich liierter) Berliner Politprofis (m/w), neuer Berliner "Gedenktag gegen Moslemfeindlichkeit"  (oder gegen "antimuslimischen Rassismus", was weiß ich) an den Iden des März, ewige Baustellen an diversen U-Bahn-Strecken, durch dauerhafte Absperrungen blockierte Straßen, kaputte Brücken, Verwahrlosung usw. usw. 

Im Herbst sind auch in der Hauptstadt Wahlen. Da weiß der Berliner Bürger schon jetzt: Es wird sich nichts ändern, außer dass unter linksrot-grünrot-rosarot das Farbenspektrum noch berlinischer wird, und dass die AfD - politisch folgenlos - ihre Stimmenzahl mindestens verdoppeln wird. 

...und die globale Unordnung

Die Welt ist  aus den Fugen, nicht zum ersten Mal. Wie wäre sie  - nach Vorstellung unserer moralisch unfehlbaren politischen Klasse - zu kitten? Und was sollen/können "wir Deutschen" noch gegen Trump sagen, was gegen ihn tun? Genügt der Einsatz von dreizehn Bundeswehrsoldaten (ohne -innen) auf  Grönland zur Zurückweisung seiner  Annexionsabsichten oder besser zur Abwehr der Angriffe der wegen der Klimaerwärmung besonders reizbaren Eisbären? Wer rettet die Robben vor den fell- und fleischhungrigen Inuit? Wer die Arktis vor russischen und chinesischen Kriegs- und Handelsschiffen?

Statt einfacher Antworten empfehle ich meinen jüngsten Aufsatz auf Globkult.  Daraus eine Passage, die Ungewissheit der Entwicklung im Iran betreffend:

"Last but not least ein Blick auf die Lage im Iran: Hinsichtlich des möglichen Erfolgs - oder eines opferreichen Misserfolgs - der Aufstände in den iranischen Städten gegen das mörderische Mullah-Regime versagt unser Kategoriensystem. Ist ein - wünschenswerter - regime change in Teheran wahrscheinlich, und wenn ja, wie - mit welchen Mitteln - wäre er von außen - etwa mit amerikanischen und israelischen Militärschlägen - zu bewerkstelligen? Selbst im Falle extremer Unterdrückung und Rechtsverletzungen eines Staates bedeutete die einseitige Intervention einzelner Mächte eine Souveränitätsverletzung und wäre vom internationalen Recht nicht gedeckt. "

https://www.globkult.de/politik/welt/2486-internationales-recht-und-internationale-anarchie 

Zur Ergänzung verweise ich auch meinen Globkult-Aufsatz vom September 2022:      

https://www.globkult.de/politik/welt/2239-zur-aktualitaet-eines-begriffs-geopolitik-in-geschichte-und-gegenwart?start=1

sowie auf den soeben erschienenen Artikel zum Ukrainekrieg von Thorsten Hinz:

https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2026/die-ukraine-verschleisst-sich-in-qualvoller-stellvertretung/