Samstag, 6. Juni 2026

Wo sind die Ursachen der Misere zu suchen?

Soeben ist meine Besprechung des Essays "Der gelähmte Westen" von Ferdinand Knauß in doppelter Ausführung: Globkult (s.o.: https://www.globkult.de/politik/besprechungen/2492-noch-nicht-alle-hoffnung-fahren-lassen-%20-sind-nur-die-68er-an-der-misere-schuld) und auf AchGut (https://www.achgut.com/artikel/rettung_fuer_den_gelaehmten_westen-) erschienen. Auf der "Achse" gab es dazu bereits einige Leserbriefe. Zwei davon scheinen mir gedanklich weiterführend bzw. Anlass zur Vertiefung der Diskussion über die Ursachen der sich - aus diversen Gründen: Wirtschaft, Migration, Ideologie - kontinuierlich vertiefenden Misere.

ad 1) Der Leser Lutz Hermann fertigt meine Rezension in zwei kurzen Sätzen ab: "Väterlose Generation. Schuldprotestantismus. Gibt es in vielen westlichen Staaten nicht. Taugt als Erklärung somit nicht."  Diese Pauschalkritik verdient eine Antwort. 

Zunächst ein Zugeständnis: Ja, ich habe einen wichtigen, womöglich den zentralen Faktor der 68er-Kulturrevolution nicht explizit benannt: Sex. Ein Hauptthema der global-westlichen Achtundsechziger - ich lasse Japan und Zengakuren hier außer acht - war  die sexuelle Repression, für anspruchsvollere Gehirne freudomarxistisch unterlegt, für schlichtere Gemüter von Wilhelm Reich aufbereitet. Die sexuelle Befreiung - ein zeitlos utopisches Ziel  - war in erster Linie gegen die  "repressive", im paulinischen Christentum verankerte Sexualmoral gerichtet. Mit der Pille war sie  technisch realisierbar geworden. 

Ob mit oder ohne geistige Anstrengungen im Bereich der Theorie, protestierten die amerikanischen Hippies und die in Woodstock gipfelnde flower-power-Bewegung gegen den puritanisch-protestantischen Grundzug der damaligen amerikanischen Kultur. Der Protest fiel zusammen mit der US-Bürgerrechtsbewegung, die wiederum im Sündenbewusstsein der weißen Amerikaner eine bedeutende Triebkraft fand. Die aus den USA als "befreiend" wahrgenommene Protestkultur - und selbst der Rock´n roll eines Elvis Presley  - hatte eine in Deutschland meist unerkannte religiöse Komponente. 

Was für die USA - und den aus der Bürgerrechtsbewegung hervorgegangenen Wokeismus - gilt, trifft im Hinblick auf den britischen Kolonialismus auch auf Großbritannien zu. Douglas Murray hat dies am Beispiel eines durchgeknallten Nachfahren des Freibeuters und Sklavenhändlers John Hawkins veranschaulicht. Was den "Pariser Mai" betrifft, so handelte es sich um den Ausbruch jener bürgerlichen Jugend, die dem Algerienkrieg dank später Geburt entkommen war. Die Alten, ob einstige Collabos oder - meist spät berufene -  Résistants taugten nicht als Identifikationsfiguren. Man hielt es mit dem - protestantischer Familie und deutscher Ideologie - entstammenden Sartre.

In Bezug auf die deutschen 68er bedarf meine These - umfassend Vaterlose aus schuldbeladenem protestantischem Milieu - keiner weiteren Explikation. 

ad 2) Die nachfolgende Kritik des Lesers A. Ostrovsky zielt auf die ökonomisch-materielle Basis der kaum noch zu behebenden deutschen Zustände. Ich zitiere sie ob ihres analytischen Gehalts in voller Länge:

 


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