Montag, 14. September 2026

Qual-o-mat

Wenn man nicht zur Gruppe der glaubensfesten Stammwähler einer bestimmten Partei gehört, steht man am Wahlsonntag vor der quälenden Frage: Wo soll ich, wo darf ich mein Kreuz, genauer: meine zwei Kreuze (links die Erststimme, rechts die Zweitstimme) machen? Soll ich überhaupt hingehen, wohl wissend, dass absolute Mehrheiten der Vergangenheit angehören, und dass meine Stimme hinsichtlich des Verhaltens der Parteioberen in den Tagen oder gar Wochen nach der Wahl keinen Einfluss hat?  

In Berlin scheint die Sache ohnehin klar: Die CDU hat dank Kai Wegners Liebe zum entspannenden Tennisspiel die entscheidenden Punkte für den (relativen) Wahlsieg vergeigt. Die SPD hat nach innerparteilichen Machtkämpfen sowie nach der Hausdurchsuchung bei ihrem aus Niedersachsen herbeigeholten Kandidaten Steffen Krach keine Chance mehr auf den Spitzenplatz. Beste Chancen kann sich dank ihrer Hamas-Wählerbasis in Neukölln und in den Kneipen der - hoffentlich - Studierenden die "Linke" ausrechnen, die in den Umfragen mit bis zu 23 Prozent vorne liegt. Die hinter der AfD an vierter Stelle liegenden Grünen können sich als umworbene Dritte in jeder Art von  Koalition jetzt schon freuen. Entweder kriegen wir in der Hauptstadt also Rot-Grün-Rot unter Elif Eralp von "Die Linke" als neuer Regierenden Bürgermeisterin oder aber Schwarz-Grün-Rot mit Stefan Evers an der Spitze. Eralp und "Die Linke" sowie nicht wenige Grüne wollen die Wohnungskonzerne enteignen, Evers und die CDU hingegen die "Clans". Das dürfte schwierig werden.

Am besten gefällt mir  das FDP-Plakat in Zehlendorf "Sauberkeit und Recht und Freiheit".  Aber die FDP ist seit Lindners Versagen unter der Ampel-Regierung weit unter die fünf Prozent gerutscht und kommt daher für eine "strategische" Wahlentscheidung nicht in Frage.

Was also tun? Entscheidungshilfe  für den mündigen, aber ratlosen  Bürger verspricht seit einigen Jahren die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): "Der Wahl-O-Mat ist keine Wahlempfehlung, sondern ein Informationsangebot über Wahlen und Politik." Gut. Das "Informationsangebot" besteht wie gehabt aus 38 "Thesen", die nahezu allesamt links-grün aufgeladen sind. Abbwägende Stellungnahme sind nicht vorgesehen. Am besten markiert man das  Feld "Überspringen". Bei zwei Versuchen mit dem bpb-Spielautomaten  landete ich so - mit sechs bzw. acht Treffern - einmal bei dem "umstrittenen" und unsicheren BSW, beim zweiten Mal bei der CDU. Der Qual-o-mat bietet mir wieder mal  für den kommenden Sonntag keine rechte - "recht", nicht rechts, sondern im Sinne von "brauchbar" -  Hilfe. 


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