Dienstag, 18. August 2026

Vor dem Sturm in Magdeburg? - Sauberkeit und Recht und Freiheit!

I.

1878 erschien Theodor Fontanes erster Roman "Vor dem Sturm". Das Leitthema sind die politischen (und privaten) Erwartungen, Befürchtungen und Hoffnungen, welche - vor dem Hintergrund der Konvention von Tauroggen - Angehörige des märkischen Adels bewegen,  aber auch die Stimmungen im einfachen Volk. Die breitgefächerte Handlung spielt vor dem "Sturm", der einst legendären - heute vergessen, da aus dem bundesrepublikanischen Curriculum gestrichen -  preußischen Erhebung von 1813. 

Geht es nach den Medien, steht Deutschland vor dem Sturz in den Abgrund. In den Septemberwahlen 2026 werde sich - wie dereinst bei den Septemberwahlen 1930 - das deutsche Schicksal entscheiden. Der von Auflagenschwund betroffene "Spiegel" hat den Ernst der Lage erkannt und erklärt Ulrich Siegmund auf der Titelseite zum "gefährlichsten Mann Deutschlands". Unbeabsichtigt  betreibt der "Spiegel" damit Wahlpropaganda für den jugendfrischen AfD-Chef  und Möchtegern-Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt. Lächelnd signiert Siegmund von seiner Wahlkampftruppe aufgekaufte "Spiegel"-Exemplare mit seinem Konterfei und verteilt sie ans Wahlvolk. Inzwischen  hat  auch Schulzes Vorgänger Haseloff erkannt, dass die grün-"linken" Westmedien zum Aufstieg der AfD beigetragen haben. 

Auch wenn Siegmund  "bürgernah" Siegesoptimismus verbreitet, werden selbst die in den jüngsten Umfragen erzielten 43 Prozent  für den Einzug ins Magdeburger Palais am Fürstenwall nicht reichen. Denn sofern die Grünen fünf Prozent kriegen oder wenigstens die SPD - wie in der letzten Umfrage - bei sieben Prozent landet, wird es nichts mit einer absoluten Mehrheit und mit der ersehnten Alleinregierung. Die Chancen, dass Sarahs BSW mit mehr als fünf Prozent als Partner zur Verfügung stehen könnte, sind gering. Denkbar, nein wahrscheinlich ist hingegen, dass die CDU, wenn es denn die Arithmetik hergibt, auch die "Linke" ins Koalitonsbett holen wird. Und wenn nicht, wird die "Linke" auch zufrieden sein, wenn sie - als Teil der nach links dehnbaren "Mitte" - eine Minderheitsregierung unter Sven Schulze (CDU) demokratisch tolerieren darf.

Was aber geschieht, wenn wider Erwarten Siegmund, gestützt auf eine absolute Mehrheit, doch zum ersten AfD-Ministerpräsidenten gewählt werden sollte - oder nur könnte?  Die Bannerträger der wehrhaften Demokratie haben bereits angekündigt, eine Machtergreifung der "Blau-Braunen" in Mitteldeutschland mit allen erdenklichen Mitteln zu verhindern: Permanente Demos aller aus der ganzen Republik aufgerufenen demokratischen Kräfte (inklusive Antifa) sowie Blockaden vor den Ämtern.So lange, bis die Faschisten aufgeben.

Denkbar - oder zu befürchten - ist  aber auch, dass derlei militante Verteidigung "unserer Demokratie" dann die AfD-Anhänger - mit einem harten Kern von real "rechten" Schlägertrupps -  auf den Plan ruft. Und was danach kommen könnte, möchte man sich lieber nicht ausmalen. Für  uns, "die schon länger hier leben" (dixit Bayreuth-Enthusiastin Merkel), stellt sich die Frage: Steht Magdeburg - wie schon einmal im März 1631- im Merz-Jahr 2026 vor dem Sturm? 

II. 

Für Berlin, für die Hauptstadt, wo der Wahlkampf  bereits in vollem Gange ist, können wir Entwarnung geben. Plakate, Stelltafeln, Demokratie allerorten.  Laut Umfragen kann die Mitte - sie reicht von der CDU über die Grünen (ehedem "Alternative Liste") und die "Linken" bis zur geschrumpften SPD - gelassen auf den Wahltermin blicken. Die AfD liegt in den Umfragen bei ca. 18 Prozent mit CDU und "Die Linke" zwar fast gleichauf, steht aber chancenlos ausgesperrt hinter der Brandmauer. Allenfalls könnte es in den Bezirksversammlungen Zank über die proportional zuzuteilenden Stadtratposten geben.Während der letzten Hitzewelle hatte die AfD kontraproduktive Plakate ("Energie statt Klimawahn") aufgehängt. Nach der jüngsten Abkühlung könnten ihre Prozentchancen wieder steigen, sofern ihre weit oben aufgehängten Plakate ("Migration begrenzen!") nicht von stets einsatzbereiten Antifaschisten heruntergeholt und in den Dreck befördert würden.

Der mündige Bürger fragt sich, für wen er seine Stimme in die Urne werfen soll. Bei VOLT -  die violett auftretende Konkurrrenzpartei der Grünen - gibt allein schon der Name der  Partei Rätsel auf: Stehen die jungen Leute, um die es ja wohl geht, unter Strom oder was will - angesichts des Zustroms aus dem Orient erinnern die Identitären an die Kreuzzugsparole des Papstes Urban II. Deus vult oder Deus lo volt - die neuerdings (laut Art.  GG 21,1) an der politischen Willensbildung des Volkes mitwirkende Partei? Handelt es sich um bei den violetten Farben um eine protestantische Bußveranstaltung? Kaum. Außerdem fehlt mir - nicht nur angesichts des mörderisch-fatal verlaufenen CSD -  das Verständnis für das urbane Heilsversprechen von VOLT: UnF*ck Berlin. Wie soll das gehen? Steht das im Kulturprogramm der  VOLTisten? Oder machen sie  Werbung für eine performance im Wahlkampf?  

Für VOLT werden die Stimmen für die anteilige Erstattung der Wahlkampfkosten reichen. Vielleicht auch für die Tierschützer, die außer für Tierheime für bezahlbare Mieten werben, wie  auch die SPD. "Die Linke" will enteignen. Der "Lospartei" schwebt  für Berlin anscheinend das Modell der attischen Polis vor. Bei "Die Partei", weiß man wenigstens, woran man ist. Sie ist Sonneborns Antipartei, mit einem Mandat (Sonneborns) im EU-Parlament. 

Mit Spannung sehen wir dem Abschneiden der FDP entgegen. Sie - bzw. der als Retter berufene Wolfgang Kubicki  - hat ja völlig recht: "Wirtschaft gut, alles gut". Nur steht es seit langem mit unser Wirtschaft nicht gut, und keiner weiß, wie die guten Jahre (ante Angelam) wiederkommen sollen. Und wie will die FDPden Aufschwung allein  in der notorisch maroden Stadt Berlin bewerkstelligen? Selbst wenn sie  über fünf Prozent kommt? Die plötzlich aufgetauchte Forderung, die undemokratische Fünf-Prozent-Klausel im Parteiengesetz zu ändern, kommt in diesem September für die FDP wahrscheinlich zu spät.

Aber wer weiß? Vielleicht gelingt der Berliner FDP doch noch der Sprung über die Hürde. Vielleicht existiert noch ein Wählerpotential in den besseren Vierteln, wo die Bürger (m/w/d)  statt die Grünen  oder die CDU - bürgerlich-liberal wählen. In Zehlendorf hängen Wahlplakate mit dem schönen Dreiklang "Sauberkeit und Recht und Freiheit". In Kreuzberg-Friedrichshain, in Neukölln, Moabit und anderswo hat die FDP damit keine Chance. Aber vielleicht können sich trotzdem hinreichend "Linke" (aller Couleur), denen die schon lange die deutsche Nationalhymne -  selbst die dritte Strophe - missfällt, für die Parole erwärmen? Dann hätte die FDP wieder alle Chancen, in Berlin, in Bund und Ländern, in der Mitte mitzumischen. 

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