Montag, 22. April 2013

Genderinsensible Anmache


Was heute noch gesagt /gebloggt  werden muss, ehe die Aktualität der Ereignisse verschlissen ist:

Ich werde künftig ab und an auf die gendersensible Anrede (≈ -e Anmache, semantisch uneindeutiger dt. Neologismus, teils sexistisch im Sinne von „anbaggern“, teils erotisch positiv [„Das macht mich an“] besetzt) verzichten, nachdem ich heute morgen im Musikhäppchen-Programm von RBB Kultur das im bundesrepublikanischen Sprachgebrauch bis dato unstatthafte nomen generale „die Leser“ (ohne -innen) aus dem Munde der Literaturkritikerin Sigrid Löffler vernommen habe.

Als masculinum tantum hebt sich Frau Löfflers  Terminus   provokativ ab von jenem meinem demokratischen Gleichheitsempfinden widersprechenden Sprachgebrauch deutscher Politikerinnen/Pastorinnen/Sprachkommissarinnen, die ohne Rücksicht auf die gebotene Reziprozität der politisch korrekten Anrede aus männlichem oder transgenderisierten Munde stets die eigenen Geschlechtsgenossinnen bevorzugen. Ich erinnere mich an eine  menschlich und politisch gewiss anrührende, aber im Sinne des Gleichheitsgebots des GG  ungerechte (An-)Rede der Grünen-Politikerin Renate Künast (vorzeiten als Bundesministerin für Verbraucherschutz, Landwirtschaft & - schutz,  Forsten u. dergl. zuständig), die sich stets zuerst für die Verbraucherinnen und erst dann für die Verbraucher ("Unsere Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht zu wissen usw.") engagierte.

Wenn Künasts Interesse heute – aus der Opposition heraus – mehr auf Wählerinnen und Wähler bei den Septemberwahlen 2013 statt auf Verbraucherinnen und Verbraucher gerichtet ist, so ist das angesichts der Umfragewerte für Merkel samt CDU & CSU verständlich. Merkel meistert alle Krisen, zuletzt sogar die von der Empörung über Schäubles Zypern-Diktat ausgelöste. Gefahr droht Merkel nur von den Euro-Miesmachern der AfD, die am Ende der schwarz-gelben Koalition die paar überlebenswichtigen Prozente wegnehmen könnte.

Mein Vorschlag an Karin Göring-Eckardt (unvollständige Theologin, Grünen-Mitvorsitzende, protest. Kirchenfunktionärin), Jürgen Trittin (Euro-Bond-Spezialist und Finanzminister in spe), Künast sowie an die SPD: Nachdem Uli Hoeneß (FC Bayern = CSU) seine Schweizer Steuersünden bekannt hat und die Empörung darob die Wahlchancen für Rot-Grün um einige Promille erhöht, sollte Peer Steinbrück seiner Kavallerie den Befehl zum Angriff auf die Schwarzgeld-Bastionen im EU-Musterland Luxemburg geben. Der Beifall aller Europäer_innen und vieler stimmberechtigter Bundesbürger_innen (m/w) wäre ihm sicher. Vor allem: im zu erwartenden allgemeinen Siegestaumel der braven deutschen Sparerinnen und Sparer, Steuerzahlerinnen und Steuerzahler geriete die „Alternative für Deutschland“ ins mediale Abseits, könnte Steinbrück (Helmut Schmidt: „Der Peer kann es“) durch einen taktisch geschickten Ausfall (nach „rechts“!!! - Peer gehört immerhin zum rechten Flügel der SPD) die Wahlschlacht mit Sicherheit noch gewinnen.


Noch was: Dem kritischen Publikum ist meine Kolumne zum „18.März“ als potentiellem Gedenktag im gedankenarmen, aber gedenktagreichen Lande in der letzten Ausgabe der „Jungen Freiheit“ (v. 19.4.2013) mutmaßlich nicht entgangen. Dazu nur soviel: Für die Überschrift zeichne ich nicht verantwortlich. Mein Vorschlag lautete: „Das war eine herrliche Märzenzeit...“ Manchen Konservativen - den meisten "Linken" erst recht - fehlt leider zuweilen (oft?) der Sinn fürs Ironische.Oder wollte sich der zuständige Redakteur nur als Anhänger des unermüdlichen Streiters für den 18. März Volker Schröder „outen“? 

Bezüglich eines Kommentars zu den Bostoner Anschlägen der beiden schlecht integrierten Tschetschenen bitte ich die Leser noch um Geduld. 

Ich darf nachträglich  den heute in GlobKult erschienenen Text zur Lage in Syrien vorstellen:
http://www.globkult.de/politik/welt/864-zum-unfrieden-in-nahost-unbequeme-faktenlage