Der Name Magdeburg steht für die drohende Machtergreifung der AfD in unserer Demokratie. (Siehe meinen letzten Blog-Eintrag https://herbert-ammon.blogspot.com/2026/08/vor-dem-sturm-im-magdeburg-sauberkeit.html) Die Stadt verfügt zwar über eine - dem Bundesbürger (m/w/d) naturgemäß unbekannte - 1200jährige Geschichte, über einen mächtigen Dom mit der Grablege des Kaisers Otto I. d.Gr. und seiner englischen Gemahlin Editha, dazu noch ein paar andere Baudenkmäler, die Zerstörung und Wiederaufbau überstanden haben, sowie über eine Universität, 1993 gegründet und benannt nach Otto von Guericke, den auch ältere Wessis noch aus Schulbüchern kennen.
Das ändert nichts an dem schlechten Ruf, der aufgrund der Wahlumfragen dem Bundesland Sachsen-Anhalt und dessen Hauptstadt Magdeburg anhaftet. Die Zivilgesellschaft im zentraldeutschen Ossi-Land ist einfach zu schwach, ablesbar an den dürftigen Mitgliederzahlen der Kirchen sowie an den Wahlchancen für die Grünen (von plus/minus fünf Prozent). Auch von zivilgesellschaftlich relevanten Sportereignissen, etwa von Erfolgen des 1.FC Magdeburg, hören wir gar nichts in den "Tagesschau". In welcher Liga spielen diese Ossis überhaupt?
Anders steht es mit Mannheim, historisch wesentlich jünger als Magdeburg, aber eine Stadt mit gutem Ruf. Hier erlebten "Die Räuber"von Schiller ihre Erstaufführung, hier lag eine Geburtsstätte des badischen Liberalismus und - mit blutiger Erinnerung an den Kotzebue-Mörder Karl Sand - des demokratischen Radikalismus. Kultur - auf unterschiedlichen Ebenen - befruchtet in Mannheim die Zivilgesellschaft. Die junge Universität genießt bundesweites Ansehen. Einigen Ruhm erwarb für sich - und für die Stadt Mannheim - ehedem auch die Sängerin Joy Fleming, die es anno 1975 mit „Ein Lied kann eine Brücke sein“ auf einen passablen 17.Platz beim Spektakel des Euro Vision Song Contest schaffte.
Sport stärkt - wie sonst nur die NGOs - die Zivilgesellschaft, die Basis unserer Demokratie. In den TV-Nachrichten waren unlängst eindrucksvolle Szenen aus dem Stadion des SV Waldhof zu sehen, wo in einem Pokalspiel Mannheim und Kaiserslautern aufeinander trafen. Der interessierte Zuschauer und Bürger durfte miterleben, wie zuerst die beiden Mannschaften in regelwidrigen Streit gerieten. Schon stürmten zahllose Fans aufs Feld und veranstalteten, befeuert von Böllern und Rauchwerk, eine Prügelorgie, wie sie in deutschen Stadien bislang noch kaum zu den sportlichen highlights gehörte. Die Zahl der verletzten Polizisten und der verhafteten Fußfballfans ist mir entfallen.
Fußballfeste bereichern die gelebte Demokratie. Eine weitere Bereicherung verspricht eine andere zivilgesellschaftliche Intiative des Mannheimer Stadrats Julien Ferrat, der der Wählervereinigung "Die Mannheimer" angehört. Unter dem Motto "Politiker zum Anfassen" plant er, inspiriert durch eine politische Bildungsfahrt in das "village naturiste" im französischen Cap d´Agide, eine Swingerparty mit Gruppensex im Mannheimer Rathaus. Sein Anliegen sei "zunächst mal, das Thema medial etwas mehr in die Mitte der Gesellschaft zu rücken und zu enttabuisieren....Bei der Bildungsfahrt nach Frankreich war das gesamte politische Spektrum von links bis rechts abgedeckt. Und in der größten Online-Swinger-Community Deutschlands sind mir auch schon Profile von Politikern verschiedener anderer Parteien aufgefallen."
Eine gute Nachricht für unsere Demokratie: Anders als in Magdeburg und in den umliegenden Ost-Gebieten, ist die Zivilgesellschaft im Südwesten der Republik intakt.
Sehr geehrter Herr Ammon. Wahrscheinlich ist dieser Artikel ein paar Jahre zu spät. Wenn es nur Probleme im Bereich der Ideologien wären, wäre der „Ruck, der durch Deutschland gehen muss“ vermutlich ausreichend. Es geht aber nicht mehr um Begriffe und Denkweisen. Auch wenn man mir das hier um die Ohren schlagen wird: Die grüne Politik, die Abschaltung der KKW, ja selbst die enormen Kosten für die Alimentierung der „Schutzsuchenden“ und ihrer Groß-Clans hat Deutschland leisten können, ohne zusammen zu brechen. Es war mit großen „Einschnitten“ verbunden, aber letztendlich ist das nicht die Ursache des aktuellen Zusammenbruches. Die Ursache ist in einer Vielzahl von Einzelfakten enthalten. Wenn ich versuche, die irgendwie zu verallgemeinern, den gemeinsamen Nenner daraus zu finden, ist es das „Abschmieren des Antriebs“, die zunehmende Unmöglichkeit der Wertschöpfung. Und es summiert sich einiges, um nun aus der reinen Quantität eine andere „Qualität“ zu machen. Was jetzt wirkt ist die Überdrehung der Regelung. Die Last ist so stark gestiegen und steigt weiter unablässig an, während die Kraft nahezu im freien Fall abnimmt dass gar keine Möglichkeit mehr besteht, die Last auszuregeln. Und es wirkt der größte Feind der Stabilität, die Totzeit. Alle falschen Hebel sind schon umgelegt und entfalten nun erst verzögert ihre Wirkung. Dagegen würde es selbst nicht helfen, wenn jetzt alle Fehler (technisch Störgrößen) korrigiert würden. Das Gesamtsystem ist in einer so steilen Bewegung nach unten, dass es NICHT MEHR aufgehalten werden kann. Jetzt muss die Ideologie schnell wechseln, von dem Streit um die Methode der Gegensteuerung, auf die Schadensbegrenzung. Das wird nicht für „alle, die nun mal hier sind“ funktionieren. Jetzt gilt „rette sich wer kann“. Und dazu müssen wir uns auf nichts einigen, weil es gar keine Einigung mehr geben kann. Wir haben den Bereich gemeinsamer Interessen verlassen. Eine Gesellschaft existiert nicht mehr. Auch eine Nation gibt es nicht mehr.