Montag, 6. Juni 2016

Corrigenda et commentarii

I.
Als erstes schulde ich dem Publikum eine Korrektur sowie eine Erklärung:
a) Die solitäre Gegenstimme gegen die Erdogan empörende Armenien-Resolution vom letzten Donnerstag kam von der CDU-Abgeordneten Bettina Kudla, nicht von einem/r Abgeordneten mit Migrationshintergrund. Das Faktum der Fast-Einstimmigkeit der Völkermord-Resolution - dank der Abwesenheit von 400 der 630 Kollegen und -innen im Hohen Haus - bleibt vom Dissens der genannten Abgeordneten nicht berührt.

b) Die Leser meines Blogs mögen sich über die verkorkste Chronologie  der beiden letzten Blog-Einträge gewundert haben. Sie ist der Tücke der digitalen Welt geschuldet. Beim Verfassen des "Nachtrags"  zu "Ageth. Eine Textanalyse" (http://herbert-ammon.blogspot.de/2016/06/zum-gedenken-des-ageth-eine-textanalyse_5.html geriet der "Nachtrag" aus Versehen in die Überschrift der am 3. Juni verfaßten Inhalts- und Sprachanalyse zum Völkermord-Text Volker Kauders. Nach einem weiteren faux pas auf der Tastatur - ein Klick auf den button "Löschen" - schien mein ursprünglicher Text im digitalen Abgrund für immer verschwunden. Allein der globalen Fürsorglichkeit von "Google" ist  zu verdanken, dass es mir gelang, den Text aus dem Nichts  zurückzuholen und dem Publikum - wenngleich mit verkehrtem Datum - weiterhin zu präsentieren.

Ich bitte die  Fan-Gemeinde um Nachsicht und - vor ihrem inneren Auge - um die Umstellung der vertauschten Daten.

II.
Ich hoffe auf Vergebung, wenn ich gestehe, mich am gestrigen Sonntagabend als Konsument auf das Niveau der Anne-Will-Show begeben zu haben. Ob Gauland - ohne Frage dem FAS-Journalisten Eckart Lohse im Interview ins Garn gegangen - angesichts der von Will eingespielten Szenen aus Elsterwerda seine Rolle als väterlich seriöse Führungsfigur der AfD eingebüßt hat, und ob die AfD sich auf Dauer  im Quarantäne-Camp einrichten muß, ist schwer zu prognostizieren. Immerhin war die Debatte - mit den die "Deutschen", die "deutsche Gesellschaft" oder wen auch immer wortreich, aber begriffsschief attackierenden Auslassungen der "Migrationsforscherin"  (mit anatolischem Migrationshintergrund) zum Thema "Rassismus" - in einem Punkte erhellend: Justizminister Heiko Maas erklärte mit mildem Lächeln, die - laut Umfrage negative Folgen/Gefahren der "Migration" nicht  erkennen wollende, mithin in glatter Gegenrechnung zu 80 % befürwortende "schweigende Mehrheit" (!) müsse über den ökonomischen Nutzen zusätzlich notwendiger Einwanderung in der globalisierten Wirtschaft des Exportlandes Bundesrepublik noch weiter aufgeklärt werden. Die im September 2015  von Merkel eingeladene Million jungen Männer sei, wenn schon nicht dem angekündigten Ausbildungsstand entsprechend, äußerst bildungswillig und alsbald in der Lage, die von Autochthonen ("Biodeutsche") verursachte demographische Lücke zu schließen.

Unsere Renten sind somit in der brave new world  bis ins Jahrzehnt 2025-2035 wieder sicher... Zweifel kamen auf, als in der anschließenden Tagesschau in Zorn über die Bundestags-Deutschen entbrannte türkische Mitbürger (ohne -innen) im Fußballstadion von Duisburg gezeigt wurden. In völkischer Empörung verkündete ein graumelierter Mitbürger: "Wir Türken sind ein stolzes Volk." Merkel fehlte nicht nur bei der Abstimmung im Bundestag, sondern auch im Duisburger Stadion.

III.
Der heute (Montag, 9.Juni 2016) feierlich angekündigte Verzicht des Bundespräsidenten Joachim Gauck auf eine weitere Amtszeit ist in den Qualitätszeitungen Gegenstand vorgezogener elegischer Nachrufe. Mein Blogger-Kommentar: Gaucks (Selbst-)Inszenierungen im höchsten  Staatsamt der Bundesrepublik waren wenigstens weniger peinlich als die Auftritte - und der Abtritt  mit Großem Zapfenstreich - seines ehedem von Angela Merkel lancierten  Widerparts und Vorgängers Christian Wulff. Mal sehen, wer (w/m) uns - dem Souverän, den Bürgern (...***###etc.), dem desethnifizierten "Volk", im kommenden Jahr 2017 in der Bundesversammlung als über den Parteien stehendes Staatsoberhaupt präsentiert wird.