Sonntag, 8. Juni 2014

Zum protestantischen Ablasshandel und zur protestantischen Geldver(sch)wendung

Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen... Vor den ehedem christlichen Festtagen erhält der Blogger regelmäßig Post von „Brot für die Welt“, der allseits geschätzten Spendenaktion der EKD für die Eine, einst Dritte Welt. Sein Gewissen fühlt sich angesprochen, denn die Frage nach der auf Wertschöpfung beruhenden Grundlage, erst recht nach der Rechtfertigung seiner materiell relativ wohlsituierten Existenz „in unserem reichen Land“ will beantwortet werden. Die Betonung liegt auf „relativ“: man denke nicht bloß an die Millionengehälter der Spitzenmanager, sondern an die Einkünfte eines Vorder- oder Hinterbänklers im EU-Parlament oder im Bundestag, an die Pensionen (MdB, Umwelt- in Hessen, Außenminister in Berlin) samt Aufsichtsratstantiemen des Schulabbrechers Joschka Fischer, an die Gehälter der Medienfritzen und -miezen etc. Da sich die Ökonomen selbst nicht ganz einig sind, wo die Wertschöpfung stattfindet - jedenfalls nicht in der Finanzindustrie -, hält sich der Blogger, ehedem im Überbau tätig,  angesichts mancher mutmaßlich christlich genährten Zweifel an seiner privilegierten Existenz, an die Kosten-Nutzen-Formel: Wenn er spendet, fühlt sich des Bloggers sündige Seele wohl – jedenfalls so lange, wie ihn nicht andere Fragen umtreiben.

Dazu gehören, erstens: Wie lange wird unter den Bedingungen der Globalisierung – sowie des ungebremsten Anwachsens von „bildungsfernen Schichten“ - die Wirtschaftskraft Deutschlands ausreichen, um seine Rolle als ungeliebte Führungsmacht – und Hauptnettozahlerin in EU-Europa behaupten zu können? Zweitens: a) Was wird aus meinen eher maßvollen finanziellen Besitzständen angesichts der von der EZB soeben vermittels Negativ-Zinsen verstärkten Geldpumpe und angesichts der - ungeachtet der von Mario Draghi und anderen als „zu niedrig“ deklarierten Inflationsrate – bereits real stattfindenden Inflation? b) Wie lange halten die von der Troika ersonnenen Rettungsmechanismen vor, um die nächsten Finanz- und Staatskrisen abzuwehren? c) Wann kommt nach dem soeben von Finanzminister Schäuble angekündigten dritten Schuldenschnitt für Griechenland der vierte? d) Wann werden die Maastrichter Stabilitätskriterien endgültig makuliert, um  einen weicheren Euro zu bekommen und damit, vermeintlich gut keynesianisch, die maroden Bruderländer wieder in Schwung zu bringen? Drittens, last but not least: Reicht es - in ein paar Jährchen oder auch etwas später - zur Finanzierung der Kosten a) im halbwegs komfortablen Altersheim b) danach im weniger komfortablen Pflegeheim ?

Mit derlei Fragen im Hinterkopf stellt sich der Blogger die Frage nach Wert und Funktion des zeitgenössischen protestantischen Ablasshandels. Gewiss, bei der in solcherlei Praxis wesentlich länger - etwa seit dem Quatrocento - geübten katholischen Konkurrenz (mit bis dato ungebrochenem Monopolanspruch) gibt es als Pendant "Misereor", dazu vor Weihnachten noch „Adveniat“. Dort hat man z.Zt. leider noch ganz andere Geldsorgen....

Gleichwohl: Was ist mir mein Seelenfrieden unter den o.g. Bedingungen wert? Die Sache ist komplex, und ich würde sie mit den für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Gremien der Ev. Kirche gerne diskutieren oder, zeitgenössisch pastoral gesprochen, über das Thema einen Dialog führen..

Das Thema habe ich in meinem Blogeintrag Caritas oder Junkmail? vom 20.11.2013  bereits einmal angesprochen. Inzwischen ist gegen leichtfertige Spendenfreudigkeit ein neues Argument hinzugekommen: Vor ein paar Wochen richtete die EKD eine „wissenschaftliche“ Forschungsstelle für Gender Studies ein. Die dafür veranschlagte Summe soll € 217 000 (± x)) jährlich betragen. Der vom Blogger ob seiner Selbstgewissheit (s.a. Hochmut, lat.superbia, eine der sieben Todsünden) beneidete Nikolaus Schneider (s. http://www.globkult.de/gesellschaft/identitaeten/913-kritik-eines-protestantischen-sendschreibens-an-papst-franziskus) lieferte die Begründung für diesen jüngsten protestantischen Finanzposten: Seine Ehefrau habe ihn von der Notwendigkeit eines solchen Forschungsprojekts überzeugt.

Auf die Gefahr hin, der Gynäko-, Hetero-, Gamophobie oder sonstwas bezichtigt zu werden, gebe ich folgendes zu bedenken: Schlimm  und  beschämend für die deutsche Universität genug, dass es in diesem unseren Lande  inzwischen   mehr Lehrstühle für "Gender Studies" als für Slawistik gibt. Jetzt also eröffnet der deutsche Protestantismus eine zusätzliche Ideologie-Filiale. Solange die Evangelische Kirche die Proliferation von Gender-Ideologie als zeitgemäße Ausgießung des Heiligen Geistes erachtet und dafür Geld aus den zusehends spärlicher fließenden Kirchensteuermitteln ver(sch)wendet, fehlt ihrem Gewissensappell, „das Brot zu teilen“, die moralische Begründung. Der protestantische Ablasshandel kann den Blogger nicht mehr beeindrucken. Jedenfalls ist von ihm vor Heiligabend kein weiterer Groschen zu erwarten (sofern nicht ein Erdbeben in  Chili oder irgendeine andere der zahllosen "humanitären" Katastrophen dazwischenkommt).