Sonntag, 4. August 2013

Orthographie für gebildete Köpfe

Liebe unz(w)eitgemäßen Mitbetrachter der Weltlage,

um Ihre Sympathie zu bewahren, die abschwellenden ratings wieder hochzutreiben, das kritische Bewußtsein (a.R.) in der globalen Wirrnis zu schärfen, will ich Sie kurz auf ein Nebenprodukt meiner Lesefrüchte hinweisen: auf die demokratisch-plurale Vielfalt der Rechtschreibung (dt. für Orthographie [gr.], auch Ortographie,  Orthografie, selten Ortografie) in der FAZ. Das Blatt, hinter dem nach einstiger  Eigenwerbung immer ein kluger Kopf (-r K., m.) steckte, bereichert die kulturelle Vielfalt seit längerem mit bunter Beliebigkeit bezüglich der Schreibweise des zum Nachweis höherer Bildung gebräuchlichen Vokabulars.

Bitte, es geht nicht um  orthographisch  belanglose Unterschiede wie dem zwischen das (Art., auch Dem.pr.) und dass (Konj.), eine kleine Diffferenz, die stets zugunsten des Artikels aufgehoben wird. Schließlich gibt es im Englischen, in der lingua Europaeana (Bachelor level) zwischen Demonstrativum und Konjunktion auch keinen Unterschied, weder phonetisch noch orthographisch. Warum sollten wir uns da  - eingedenk unserer Vergangenheit -   im Deutschen als Puristen aufspielen?

Das ästhetische Befremden des Bloggers weckt seit längerem die anscheinend nicht nur für taz-, sondern inzwischen auch für FAZ-Leser zumutbare Austauschbarkeit der Buchstaben f und v, wenn es dem Autor/der Autorin - das gedoppelte  Nomen ist an dieser Stelle nicht  gendergemäß, sondern faktisch  geboten - darum geht, den Nachweis der Ironiefähigkeit zu erbringen, indem er/sie referiert, ein Herr XY (nur männl.) habe einem anderen Herrn  (wem sonst?) "seine Referenz erwiesen". Auch daran wird sich der Blogger gewöhnen müssen, oder sollte er wegen derlei Petitessen eine Anfrage an eine Referentin im Bildungsministerium richten?

Recht amüsant fand der Blogger letzte Woche in ein und derselben Ausgabe - gar auf verschiedenen Seiten des  Feuilletons - den orthographischen Umgang mit dem hard word "Gebaren",  mal mit Dehnungs-h, mal ohne. Lieber Leser, verzeihen Sie den fehlenden  Beleg. Das Exemplar befindet sich mutmaßlich bereits in der blauen Mülltonne.