Montag, 12. September 2016

Varia: Berlins Wahlästhetik, Merkels Demographie und Hillarys Pentalog

I.
Das Kaiserwetter beflügelt die Berliner Parteien zur  Rettung der Demokratie, bedroht von blauen Plakaten und der großherzoglich-blaublütigen Beatrix von Storch.Vor dem Schicksalstag am 18. September muss neu- bzw. umplakatiert werden. Der souveräne Bürger  stellt mit Erstaunen fest, dass der/die Transvestit/in im Großformat ("Berlin bleibt frei. SPD") verschwunden ist. Vielleicht hat einer der PR-Fritzen im Internet recherchiert und herausgefunden, dass die vom Volke vergessenen Berlinkrisen bereits Jahrzehnte zurückliegen. Die SPD setzt nunmehr auf die Erfahrung und das Konterfei des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller, bürgerlich seriös mit Anzug und Krawatte. Die CDU versucht´s mit einem freundlichen Frank Henkel und der einst absolute Mehrheiten sichernden Parole Konrad Adenauers: "Keine Experimente!" (Den Namen Adenauer kennt womöglich selbst jeder zehnte Neubürger.) Die "Linke" hat das HaSS-Gesicht teilweise abgehängt und plakatiert jetzt mit im Pflegebereich und sonstwo tätigen  "Gutmenschen" - adrett und mit Lächeln im mitteleuropäischem Antlitz.

TXL behalten wollen im Gegensatz zur bis dato stadttragenden Großen Koalition und zur prospektiven Koalition der Demokraten und -innen nur die FDP - sie setzt auf die Reiselust der Besserverdiendenden - und die AfD, letztere fraglos aus bloßem Populismus. Die meistfliegenden Grünen warten anscheinend weiterhin geduldig auf die Eröffnung des ökologischen BER, wo zum Zwecke der Luftumwälzung im Tunnel unter dem Schönefelder Flugfeld Tag und Nacht ein leerer U-Bahnzug hin und her shuttlet. Andererseits sorgen sich in Wahlkampfzeiten alle Parteien, selbst die demokratischen, um die Bedürfnisse des Volkes, sie werden - das liegt in der Natur der Sache - für ein paar Wochen realiter populistisch. SPD-Chef Gabriel probt bereits, ein Jahr vor den Bundestagswahlen, den entsprechenden Stil.

Den Sieg über alle Spießer, verkalkte Rentner und die AfD-affinen, im global village "Abgehängten" - um die wachsende, wahlpolitisch irrelevante Zahl der der Penner hat sich in der bunten Metropole  gefälligst die Heilsarmee zu kümmern - feiern die "Grünen" bereits mit einem Luftsprung: "Freiheit". Und richtig: "Alles auf Grün". Mit den Regenbogenfarben gehen die Grünen diesmal sparsam um, zumindest in den vermeintlich bürgerlichen Vierteln, z.B. in Schmargendorf. Doch dann kommt der grüne Paukenschlag: "Dein Gott. Dein Sex. Dein Ding!" Umfassbar: In radikaler Umkehrung alter Dogmen und Werte propagieren die Grünen zu Berlin die Errichtung einer gründeutsch unbeschränkten  Phallokratie - womöglich eine populistische Anbiederung beim jüngeren bisexuellen Wahlvolk. Immerhin: Man hat auf Abbildung des Dings (aus Papiermangel oder aus Rücksicht auf züchtige, wahlberechtigte  Muslimas ?) verzichtet. Andernfalls könnte der Luftsprung der lebensfroh unbehinderten Schönen am kommenden Sonntag mit einer Bauchlandung enden.

II.
Seit den Bundesjugendspielen auf der Kölner Domplatte sorgt Merkels gute Tat vom 5. September für anhaltende Debatten und treibt der - personell noch teilweise unterbesetzten - AfD wachsende Teile des Wahlvolks zu. Die von der "Linken" umworbenen "Gutmenschen"  sehen das anders. In der heutigen FAZ (v. 12.09.2016, S.18) springt  ein Leserbriefschreiber unter Bezug auf "das größte Verbrechen der bisherigen Menschheitsgeschichte im Namen Deutschlands" der Kanzlerin bei. Merkels Entscheidung, "auch im Sinne vieler Deutscher, Hunderttausende Flüchtlinge aus humanen Grünen nach Deutschland hereinzulassen, was auch bedeutete, bestehendes Recht für kurze Zeit auszusetzen", war total O.K.: "Alles andere wäre inakzeptabel gewesen." - Gegen politische Zweifel  hilft stets die deutsche Geschichte.

Zweifel an der kurzzeitigen Rechtsaussetzung sowie den lauteren Motiven Merkels regten sich indes von Anbeginn selbst bei einigen Qualitätsjournalisten der FAZ. In der heutigen Ausgabe bringt ein Interview (S.4) mit dem belgischen Ministerpräsidenten Charles Michel etwas Licht in die Sache. Der Politiker aus einer liberalen Polit-Dynastie der Wallonie brachte das demographische Problem der kinderlosen Kanzlerin für Deutschland zur Sprache. Frage des Interviewers: Sie glauben, sie hat aus demographischen Gründen die Flüchtlinge ins Land gebracht? Antwort: "Nein. ich sage nur, dass es für Deutschland wichtig ist, in Zukunft junge Leute zu haben." Davon giibt es - nicht erst seit dem 31.August/5.September 2015 in Deutschland eine exponentiell wachsende Anzahl. Global denkende Wirtschaftskreise, angeblich globalisierungskritische Gewerkschaften - die scherten sich seit je nur selten um  "abgehängte" Arbeitslose und  beitragsunwillige Minijobber -, dazu die von der Migration genährten Dienstleistenden in den Sozialindustrien, finden das seit langem gut so. Deshalb gibt es für Merkel, zumindest bis auf weiteres,  "keine Obergrenze".

III.
Der Blogger hat sich bis dato eines Kommentars zu den amerikanischen Präsidentschaftswahen enthalten. Eine Präferenz der "erfahrenen Außenpolitikerin" Hillary vor dem ungehobelten "Rechtspopulisten" - oder umgekehrt - wäre schwer zu begründen. Wahrscheinlich zieht Hillary mit feministischer Fanfare  ins Weiße Haus ein. Auf die einzige Umfrage (seitens CNN), die dem mit unpuritanischem Frohsinn großgewordenen Immobilienbesitzer vor der  mit methodistischer Selbstgewißheit ausgestatteten  Hillary einen Vorsprung attestiert, möchte ich nicht setzen. Es müsste schon noch ein weiterer, kräftiger Skandal im Leben der vielgeprüften Hillary hinzukommen. Der träfe  ins Herz der tugendhaften amerikanischen Nation.

Stellen wir uns also auf den Sieg der Tugendwächterin Hillary ein. Gegen die Amoral ihres Rivalen Trump verkündete Prophetin Hillary, dereinst mit Bill von den Hügeln der Ozarks ins sündhafte Washington herabgestiegen, ihre fünf Gebote im Kampf gegen die Millionen der Sünde verfallenen Trump-Wähler: "Sie sind die Rassisten, Sexisten, Homophoben, Xenophoben, Islamophoben." Zorniger, deutlicher, drohender hätte selbst Moses am Fuße des Sinai nicht zum Volke reden können.