Sonntag, 5. Juli 2015

Internet-Erfahrungen, Aussichten der res publica, Non-Grexit

Ungeachtet der den Klimawandel (→ global warming; S.Gabriel und die Braunkohle; Seehofer und die Nord-Süd-Megawatt-Trasse; Emissionshandel; gesamtgrüne Koalition) begünstigenden Sommertemperatur sieht sich der Blogger zum Bloggen genötigt. Aus folgenden Gründen:

1) Der Fluch des Internet (s. Eintrag vom 22.06.20; http://herbert-ammon.blogspot.de/2015/06/globkult-etc-von-fluch-und-segen-des.html )

Über Google+, den unentbehrlichen Popularisator meiner Kommentare zur Weltlage, gelangt man zu jener Unzahl von Follower (Kapitälchen, ohne gramm. sinnvolles Plural -s) und „Freunden“ sowie von deren „Freunden“, die man mit wenigen Ausnahmen weder kennt noch als „friends“ zu schätzen wüsste. Von der Fülle der ins Netz gestellten Welterklärungen, Weltbeglückungen, Seelenstrip-Shows, Verschwörungstheorien sowie Moralkeulen droht man regelrecht erschlagen zu werden, während die eigenen Verlautbarungen im Handumdrehen in die ungelesenen unteren Rubriken rutschen.

Beim „Browsen“ (= stöbern, beim Lesen überfliegen, Zeit totschlagen) in Google (ohne +) stieß ich auf folgenden Eintrag: Kritik der Tragödie - Download free ebooks, pdf & etc. Files www.fluffebook.org/1r5ba8_pdf-book-kritik-der-trag-ouml-die.pdf If you want to get Kritik der Tragödie pdf eBook copy write by good author ... Zivilreligion aus dem Geist der Tragödie von Herbert Ammon I. Die Kritik der. - Pech für den Blogger: Seine „Kritik der deutschen Zivilreligion aus dem Geist der Tragödie“ http://www.globkult.de/herbert-ammon/567-eine-kritik-der-deutschen-zivilreligion-aus-dem-geist-der-tragoedie findet derzeit auch das Interesse einer community von confidence tricksters. Ich empfehle den Essay gleichwohl der Aufmerksamkeit meiner Leser (sc. -/innen/XXYZ).

Und doch: Besser jedenfalls, von einem Betrüger hereingelegt zu werden, als in einen shitstorm (= neudt. für Denunziation, Anzeige, Attacke) zu geraten, wie es derzeit an der Humboldt-Universität dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler und dem Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski widerfährt. Immerhin, die HU-Oberen sowie einige, nicht alle, Kollegen haben die Angegriffenen - die anonymen Aktivisten („Münkler-watch“) werfen ihnen das denunziatorisch Übliche: Sexismus, Eurozentrismus, u. dergl., dazu schwer verständliche, arrogante Wissenschaftsrethorik vor – und deren Lehrfreiheit verteidigt. Die tapferen Widerstandskämpfer anno 2015 hingegen verteidigen ihre Vorgehensweise mit der Furcht vor schlechten Zensuren seitens der unter „linke“ Beobachtung Gestellten. Fazit: Die zu NS-Zeiten blühende Blockwartkultur  zeigt ihre Stärke noch 70 Jahre danach - als Bereicherung der kulturellen Vielfalt.

2) Die Bild-Zeitung, Zentralorgan des Volkes, liefert heute eine wichtige Ergänzung zu meinen Überlegungen zum richtigen Umgang mit der direkten Demokratie http://herbert-ammon.blogspot.de/2015/06/vom-richtigen-umgang-mit-direkter.html . Auf der Titelseite verkündet Bild das Resultat des „Bild-Referendums“: „89 Prozent stimmen für Nein!“ Gemeint ist natürlich nicht das von Tsipras empfohlene OXI zu den in schwer verständliches Griechisch übersetzten politischen Zumutungen der Trojka, sondern das „Nein!“ der vox populi Teutonici, d.h. der Bild-Leser. Immerhin: Dem Druck der von Bild veröffentlichten Mehrheitsmeinung der deutschen Bild-Bürger, einem Beispiel geglückter direkter Demokratie, wird sich selbst Merkel – man sagt ihr, der versatilen „mächtigsten Frau in Europa“, bereits Nachgiebigkeit in Sachen (Non-)Grexit nach – kaum entziehen können. Auf Merkel ist Verlass!

3) Merkel und ihr innerer Zirkel, so ist der gestrigen FAZ zu entnehmen, bereiten in Gesprächen - in den entsprechend teuren Lokalen und/oder der Bundestagskantine - die schwarz-grüne Koalition für 2017 vor. Naturgemäß wird bis dahin das bislang noch bestehende Vertrauen in den derzeitigen Koalitionspartner SPD „restlos aufgebraucht" sein. Deshalb braucht man „für einen modernen politischen Neuanfang“ schon jetzt einen vertrauenswürdigen Partner (Zitate aus dem Politsprech-Baukasten). Die neue Partnerschaft wird u.a. seitens der Grünen von Volker Beck (Menschenrechtsexperte mit einem gnädig vergessenen populärwissenschaftlichen Beitrag zum Thema „Pädophilie“), Omidpour (Verteidigungspoltik) und Konstantin von Notz (NSA-Untersuchungsausschuss) in Gesprächen mit den von Merkel beförderten CDU-Jungstars Peter Tauber (Generalsekretär) und Jens Spahn vorbereitet. Anders als bei früheren Annäherungen von Christ- und Gründemokraten handelt es sich diesmal weniger um eine „Pizza-connection“ -  "in unseren Kreisen bevorzugt man inzwischen edlere Speisen" (Kater Paul)– sondern primär um eine gay connection. Über Fragen der völligen „Gleichstellung im Eherecht“ der bis dato lediglich „Verpartnerten“ , der Minderung der CO 2 - Emissionen sowie eines noch moderneren Zuwanderungsgesetzes ( mutmaßlich zur Überwindung des düsteren Schattenbildes deutscher Geschichte) werde man sich gewiss einigen können. Schließlich sei man sich im Grundsätzlichen, wonach „Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch“ sein müssen, bereits einig.

Die angestrebte Liebesheirat bedürfte, um mehrheitsfähig zu werden, nach einem prognostischen Kalkül des Bloggers noch eines dritten Partners. Für eine solche ménage à trois käme allein die FDP in Frage, die in den polls bereits wieder um die 5 % gehandelt wird. Die Sache hat nur noch einen Haken: Falls die AfD (ehedem Lucke-Partei) unter ihrer neuen Vorsitzenden Frauke Petry, der es nichts ausmacht, sich als „Nazi“ beschimpfen zu lassen, den Sprung in den Bundestag (im Reichstag) schafft, beginnt das Rechnen und Koalitionsverhandeln aufs neue.

4) Der erwartete Kommentar zum Non-Grexit, egal ob OXI oder NAI, steht aus. Er kommt vielleicht bei späterer Gelegenheit. Zum Thema nur soviel: Die Griechen,  genauer: die Mehrheit der für ihren Lebensunterhalt hart arbeitenden, sind schon seit langem nicht zu beneiden. Aber wer könnte oder sollte ihnen den richtigen Rat geben?