Mittwoch, 13. Januar 2016

Leseempfehlung bezüglich Merkels Karnevals der Kulturen

I.
Wie auch anders: Um die politischen, juristischen, kulturellen Hintergründe und Konsequenzen der - nicht nur im weltoffenen Köln -   offenbar mißglückten interkulturellen Begegnungen in der Neujahrsnacht ist ein Streit entbrannt. Laut Bundesjustizminister Heiko Maas handelte es sich um einen "zeitweiligen Zivilisationsbruch". Da nur zeitweilig, gilt es nun, die Wogen populistischer Erregung zu glätten, den Volkszorn in den Lagern von Pegida, Hogesa etc. einzugrenzen und zu konservieren.

Grundlegend für die erfolgreiche Abwehr aller "rechten" Kritik an dem von Bundeskanzlerin Merkel im Spätsommer 2015 zum zivilreligiösen Fest der Bundesrepublik erhobenen Karneval der Kulturen - in der Hauptstadt Berlin seit je zu Pfingsten das kulturelle Großereignis des Jahres - ist die zu vermittelnde Einsicht,  "die Männer", insbesondere die biodeutschen,  "sind alle Verbrecher", wie  "Die Ärzte" (eine an der Legida- oder Pegida-Front auch antifaschistisch engagierte Popband) seit langem erkannt haben. Zum alltäglichen männlich-sexistischen Gebaren gehört etwa, einer Dame in den Mantel zu helfen oder die Autotüre zu öffnen.

Der Blogger ist beeindruckt von dem Aktionismus, den "die Politik" derzeit hinsichtlich des juristisch angemessenen Umgangs mit umständehalber straffällig gewordenen Asylgenießern und trotz aller Nachsicht unberechtigt Asylsuchenden an den Tag legt. Wie man - ungefähr geschätzt - eine weitere Million von mit Entschlossenheit immigrierenden Migranten im Jahre 2016 den Zugang zu den bundesrepublikanischen Fleischtöpfen zu verwehren gedenkt, ist bei derlei angekündigten Maßnahmen und deren bekannt mühseliger juristisch-polizeilichen Umsetzung leider nicht abzusehen. Der  Bundesbürger kann indes auf die kinderlose Kanzlerin Merkel ("Mother Merkel") vertrauen: "Wir sind 82 Millionen." "Wir schaffen das." Wir können der Schlacht  um die Bewahrung unserer grenzenlos weltoffenen Gesellschaft also gelassen entgegensehen.


II.
Vor dem Hintergrund einer Realität, die im Blick auf die kommende Generation (von der Leyden: "In 25 Jahren können wir dann zurückblicken und stolz sein" - oder so ähnlich) für Satire ungeeignet ist, empfehle ich den Lesern meines Blogs, sofern sie ihn nicht via Globkult öffnen, den letzten Eintrag in der besagten Internet-Zeitschrift.

Unter dem Titel "An den Grenzen Europas" präsentiert der Autor Heinz Theisen eine ideologiefreie, nüchterne und kluge Analyse des aus der "Migration" resultierenden Kulturkonflikts zwischen liberal-universalistischer "Weltoffenheit" und eines an "Grenzen" (Nationalstaaten in einem sich politisch-kulturell klardefinierenden Europa) orientierten Selbsverständnisses. http://www.globkult.de/politik/europa/1065-an-den-grenzen-europas-

Aus dem Aufsatz, in dem nicht zufällig über die Relativität der alten Begriffe von "links und "rechts" reflektiert wird, sei hier folgender Passus zitiert:
"Mit der Wiederkehr der Kulturen außerhalb der westlichen Welt und mit dem Verlangen nach neuen Begrenzungen in Europa mehren sich die Anzeichen, dass die permanente Entgrenzung an Akzeptanz verliert. Deren Befürworter flüchten sich vor Kritik in die Moralisierung des Problems. Statt ›richtig und falsch‹ werden ›gut und böse‹ zu den entscheidenden Maßstäben, so dass die Ideologie der wünschenswerten Grenzenlosigkeit trotz aller schon erkennbaren Defizite in der Debatte dominant bleibt. Es wäre aber diskussionsbedürftig, ob eine gesinnungsethische Moral, die die Kontexte und Folgen ihres Handelns ausblendet, noch verantwortbar ist."