Donnerstag, 11. August 2016

Kurze Orientierungshilfe - der Weg zu Gott

I.
Interkulturelles Lernen ist die Voraussetzung  für das Gedeihen unserer modernen/postmodernen Gesellschaft bei ihrem "Rendezvous mit der Globalisierung" (W. Schäuble), wie es  in spezifischer Ausprägung derzeit in der "Flüchtlingskrise" anzutreffen ist. Hauptthema des Crash-Kurses sind die Inhalte und Varianten des Islam. Seit dem Auftritt einer "Sharia Police" in  Wuppertal ist die Scharia - der Rechtskanon der muslimischen Umma - dem bis dato ignoranten Bundesbürger (sc. -r B-in) wenigstens als Begriff geläufig. An demokratischem Grundwissen fehlt es in der bundesrepublikanischen Multi- und Integrationskultur noch weithin.

Zur Erhellung der Problematik erklärt Sawsan Chebli,seit 2014 stellvertretende Sprecherin des AA und Initiatorin des Arbeitskreises "Muslime in der SPD", folgendes: "Wir dürfen die Integrationsdebatte nicht mit der Diskussion über Muslime und Islam oder Religion insgesamt vermengen. Mein Vater ist ein frommer Muslim, spricht kaum Deutsch, kann weder lesen noch schreiben, ist aber integrierter als viele Funktionäre der AfD, die unsere Verfassung in Frage stellen." Die stellvertretende Sprecherin  im weltoffenenen AA am  Werderschen Markt verzichtet auf Namensnennungen und spricht  generalisierend, womöglich stellvertretend oder antizipatorisch  für diensteifrige VS-Beamte in NRW. Ihr Vater, Erzeuger von zwölf Bundesneubürgern, darunter fünf kopftuchtragende Schwestern, hat womöglich im Alter das Grundgesetz (in Letztversion) ähnlich memoriert wie seine Tochter in Kindesjahren den Koran.

Die stellvertretende Sprecherin   - sie entstammt einer palästinensischen Flüchtlingsfamilie und wurde 1978 in Berlin geboren  - klärt interkulturell noch unzureichend gebildete Bundesbürger sodann  über die in Verruf geratene Scharia auf: "Alle reden über Scharia, aber keiner weiß, was Scharia bedeutet. Scharia heißt auf Deutsch: Weg zur Quelle, also der Weg zu Gott. Sie regelt zum größten Teil das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen." (S. FAZ v. 03.08.2016, S. 3)

II.
Fromme Demokraten werden dieser Definition nur beipflichten können. Indes erheben sich zuweilen noch Zweifel an der gottgefälligen Praxis des Weges (gr. methodos, f.), etwa bei  Nachrichten aus Indonesien, wo der  ob seiner (relativen) religiösen Toleranz vielfach gelobte größte islamische Staat auf Erden für die von sezessionistischer Unruhe geplagten Provinz Aceh auf Sumatra eine Sonderregelung bezüglich der an der Scharia orientierten Rechtspraxis zuließ. In Aceh gibt es eine reguläre Scharia-Polizei, die sich um die Einhaltung des richtigen Weges zu Gott kümmert. Unlängst wurde eine 18jährige Büßerin, den Hidschab tief im Gesicht, mit neun Stockhieben bestraft, weil sie in ihrem Zimmer mit einen 16jährigen Jungen angetroffen ("erwischt") wurde. Während die Vollstreckung der Strafe einem Mann zugewiesen wurde, untersteht die Rechtspflege der Scharia-Polizei einer im Rahmen der Regionalkultur emanzipierten Frau.

Amnesty International registrierte for 2015 in Aceh 108 Fälle von öffentlichen Auspeitschungen. Den Bericht über die unlängst eröffnete "Phase der Bestrafung" - sie folgte einer "Phase der Eingewöhnung" -
illustriert ein Bild einer weißgewandeten Frau, der vor einer Moschee öffentlich Stockhiebe verabreicht werden, weil sie ein Rendezvous vermittelt hatte.(Berliner Morgenpost v. 11.08.2016, S.5).  Der interkulturell noch wenig geübte deutsche Bio-Bundesbürger gewinnt daraus eine wichtige Erkenntnis: Ein Rendezvous  ist etwas grundsätzlich anderes als die einst auch in Europa von Heiratsvermittlerinnen betriebene Praxis der Eheanbahnung.