Montag, 7. Oktober 2019

Katharina Schulze erklärt die ökologische Notwendigkeit des Vielfliegens

Die Frommen bereiten sich auf Armageddon vor. Die Parkregion zwischen Kanzleramt, Haus der Kulturen und Schloss Bellevue ist zum Aufmarschgebiet der Kämpferinnen und K-Nullsuffix von Extinction Rebellion geworden. Wenn sie aus ihren Schlafsäcken und Zelten hervorkriechen, frieren sie wie die Obdachlosen unter der Brücke am Bahnhof Zoo, nur anders: für die Weltrettung, nicht fürs elende Dasein. Des weiteren erwartet die Gemeinschaft der Gläubigen nach der für eine ganze Woche projektierten Entscheidungsschlacht um den Reichstag allabendlich die warme Kneipe, deren Bierpreise die Präsenz von Pennern ausschließen.

Geht es nach den demokratisch etablierten Grünen, kann dank steigender Parteifinanzierung und Ökosteuern auf Heizöl, Benzin, Diesel etc. sowie durch subventionierte Windräder die Apokalypse verhindert, zumindest hinreichend lang lebenskomfortabel aufgeschoben werden.

Das Problem der Grünen - im Hinblick auf leicht sinkende Umfragewerte und die Okkupation ihrer Umweltthemen durch schwarze Politiker wie Markus Söder - liegt in der Bewahrung ihres Anspruchs auf die bessere, absolute Moral.

In einem Interview mit Ludwig Hartmann und Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag, stellten die Journalisten Timo Frasch und Alexander Haneke die grüne Moral auf den Prüfstand (FAZ v. 07.10.2019, S.4). Sie erinnerten Frau Schulze an ihren letztjährigen privaten Weihnachtstrip nach San Diego (Südkalifornien, stets sonnig, zum Baden nur bedingt geeigneter Pazifik) und die darauf einsetzende Kritik. Frage: "Sind sie nicht selbst in der Glaubwürdigkeitsfalle?"

Politisch kunstfertig ignorierte Katharina Schulze die ins Persönliche zielende Frage. Sie replizierte mit einer Erklärung der  Notwendigkeit des Vielfliegens: "Der Vorwurf, dass die Grünen-Abgeordneten mehr fliegen, zielt daneben. Wir sind die kleinste Fraktion im Bundestag. Wenn es Delegationsreisen gibt und jede Fraktion vertreten sein soll, dann fliegt der Einzelne bei uns im Durchschnitt eben zwangsläufig mehr. Ich war übrigens gerade erst wieder in Amerika: bei der UN-Klimakonferenz und für eine Konferenz an der University of Pittsburgh. Ich bin überzeugt, dass wir in einer globalisierten Welt das Miteinander pflegen müssen, gerade auch die deutsch-amerikanische Freundschafft. Genauso wichtig ist mir, dass die Politik Rahmenbedingungen setzt, damit nachhaltigeres Leben, auch nachhaltigeres Reisen möglich ist."

Mit dieser Botschaft im Herzen könnten die Apokalyptiker vor dem Reichstag  nachhaltig beruhigt nach Hause reisen, auch mit dem Billig-Flieger von Ryan Air.

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