Dienstag, 5. Juli 2016

Politische Bildung mit Yahoo! (Forts.)

Dem Publikum ist meine an eine Zwangsehe erinnernde e-mail & social media connection zu Yahoo! bereits nachhaltig (!) bekannt. Aus ästhetischen Gründen und moralischer Rücksicht auf die Reputation von Globkult stelle ich meine Beziehung zu Yahoo! nicht auf der dortigen Titelseite vor, sondern in aller gebotenen Zurückhaltung nur auf meinem Blog.

Gleichwohl: Die auf Yahoo!  präsentierten news verdienen eine über Yahoo!-Nutzer/-innen/-xyz hinausgehende breitere Aufmerksamkeit. Deshalb nachfolgend meine heutigen Lesefrüchte in Schlagzeilen oder im Extrakt:

Unterhalb einer Edeka-Reklame („Ran an den Grill!“) steht auf leuchtend rotem Grund die besorgte „Eilmeldung: Ungarn will sich gegen EU-Flüchtlingsquote stemmen“. Darunter kommen die mit Fotos versehenen Flash-Meldungen des Tages: „Tweet von Justizminister (darüber das Konterfei von Heiko Maas) begeistert DFB-Held. Während Söder von der CSU ins Özil-Fettnäpfchen getreten ist, macht Maas von der SPD alles richtig.“) Gut so. (Adnote zu deutscher Rechtschreibung und Grammatik: Seit einiger Zeit fallen selbst in den Qualitätsmedien gewisse Endungen nicht allein in Überschriften weg. Beispiel: „Merkel ist sich mit dem Präsident Erdogan darin einig, dass...“). 

Es folgt die für alle Leser wichtige Frage: "Wessen Frauenname ziert Özils Schuh?“ Sodann: „Nach heftiger Kritik: Neumann redet Klartext.“ Neumann? Womöglich eine Politikerin? Will die Dame etwa die Briten Mores lehren? In Parenthese: Für Elmar Brok („EU-Urgestein“ in Straßburg, CDU), so war gerade noch welt-online zu entnehmen, gibt es gar kein Problem, denn: das Mehrheitsvotum „Leave!“ der Brexiteers gilt gar nicht. Es habe sich am  am 23. Juni im UK  um nichts anders gehandelt als um ein „beratendes Referendum“. Richtig, so verfährt man als überzeugter Verfechter der parlamentarischen Demokratie mit der  vox populi. Der Revolutionär Thomas Jefferson, Sohn der Aufklärung, sah die Sache noch anders . „The voice of the people ist the voice of God.“

Weiter mit Yahoo! Deutschland: Gerade wird „die heißeste EM-Spielerfrau“ vorgestellt, schon flattern weitere Bilder und Meldungen vorbei: „So heiß ist Fergie“. Fergie? - Fehlanzeige. Danach: „Dieses Sternzeichen gehen (sic!) fremd“. Und wenn schon, auf den Plural kommt es an! Danach eine andere Frage von Yahoo! ans Publikum: „Übertreibt es Heidi damit endlich?“. Heidi ? - Zur Beruhigung des Yahoo!-Konsumenten die nachfolgende Erfolgsmeldung: „Deutschland hat den MacDonald´s der Zukunft“.

Dass die Republikaner Donald Trump nicht verhindern können/konnten und dadurch der ungeliebten Hillary zum Sieg verhelfen werden, ist die Meinung selbst jener wohlgesitteten und wohlbetuchten amerikanischer citizens, die gewöhnlich republikanisch wählen. Ähnlich empört zeigt sich Yahoo! über Trumps jüngste Rüpeleien: „US-Präsidentschaftskandidat Trump hat Rivalin Hillary Clinton gleich doppelt und übelst beleidigt“. Gleich doppelt und übelst – selbst in Berlin, wo inzwischen der Wahlkampf für den September eingesetzt hat, geht es – ungeachtet brennender Themen wie Rigaer Straße, Müllabfuhr, Fahrradwege und Willkommensklassen – rein sprachlich gesehen weniger übel zu.



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